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  • Jacques Laurent Agasse

  • Genf 24.3.1767, London 27.12.1849
  • Geschlecht: männlich
  • Nationalitaet: Schweiz
  • Taetigkeitsfelder: Malerei
  • Jahr von: 1'767
  • Jahr bis: 1'849
Biographie
Ausgewählte Literatur
Werke

Am 24. März 1767 wird Jacques-Laurent Agasse als Sohn einer wohlhabenden Handelsfamilie hugenottischer Abstammung in Genf geboren. Schon als Junge ist er sehr interessiert an Tierzeichnungen. Insbesondere die illustrierte Naturgeschichte von Georges Buffon mit Scherenschnitten von Jean Huber scheinen Agasses Frühwerk geprägt zu haben. Von 1782–1786 besucht der talentierte Jugendliche in Genf die Zeichenschule von Calabri, wo er Kurse von Jacques Cassin und Georges Vanière belegt. Hier etabliert sich denn auch die Freundschaft mit zwei weiteren bedeutenden Genfer Künstlern, Firmin Massot und Wolfgang-Adam Töpffer. Bedeutsam für die Freundschaft der drei Künstler, die wesentlich zur Etablierung der "Genfer Schule" beitragen, sind gemeinsam geschaffene Werke, für die Töpffer jeweils die Landschaft, Massot die Personen und Agasse die Tiere malt. Zur Weiterbildung reist Agasse 1786 nach Paris, wo er im Atelier von Jacques Louis David arbeitet und parallel dazu tierärztliche Vorlesungen und Kurse zu Knochenbau und Sezierung besucht. Beides hat Agasses Auge fürs Detail geschärft und seine präzise Malweise gestärkt; der daraus resultierende wissenschaftliche Naturalismus wird für Agasses Malstil bezeichnend.

Der Ausbruch der Französischen Revolution zwingt Agasse zur Rückkehr nach Genf. Für seine künstlerische Laufbahn von Bedeutung wird hier die Bekanntschaft mit dem Engländer George Pitt, dem zukünftigen Lord Rivers, der Agasse mit der englischen Tradition der Tiermalerei vertraut macht. Die Tiermalerei ist neben der im beginnenden 19. Jahrhundert sich entwickelnden Landschaftsmalerei eine der beliebtesten Kunstgattungen Englands. Insbesondere die Darstellung von Sport- und Tierszenen, das sogenannte "British Sporting Painting", ist eine in der Kunstgeschichte einmalige Erscheinung Englands – eine Tradition, in der Agasse sich wird entfalten können.

Bedingt durch revolutionäre Aufstände im Anschluss an die Unruhen in Frankreich verliert Agasse das gesamte Familienvermögen und sieht sich gezwungen, seinen Lebensunterhalt mit Kunst zu verdienen. In der Hoffnung auf bessere Verdienstmöglichkeiten siedelt er deshalb im Jahre 1800 nach England über, wo er durch die Vermittlung von Bekannten zu Aufträgen gelangt. Agasse arbeitet für das englische Grossbürgertum, den englischen Adel und sogar für den königlichen Hof. Neben einigen exotischen Tieren wie Löwen und Giraffen malt der Genfer in erster Linie Hunde und Pferde für deren Besitzer, wobei er diese bisweilen gleich mit ins Bild setzt. Dabei beweist er nicht nur eine aussergewöhnliche Beobachtungsgabe, sondern vermag insbesondere die Tiere in ihrer Individualität wiederzugeben. Dass Agasse mit diesen eigentlichen Tierporträts in England auch einen gewissen Erfolg zu erzielen vermag, beweisen die 30 Bilder, die zwischen 1801–1845 in der Royal Academy und anderen namhaften Institutionen ausgestellt werden. Trotzdem lebt Agasse in bescheidenen Verhältnissen. Als er am 27. Dezember 1849 in London stirbt, muss ein Teil der Werke aus seinem Nachlass versteigert werden um die Begräbniskosten zu decken.

Jacques-Laurent Agasse geht als anerkannter Tiermaler in die Geschichte der Kunst ein. Allein aus seiner Schaffenszeit in England hinterlässt er nach eigener Dokumentation rund 500 Gemälde, wovon sich das Porträt von "Lord Heathfield" als Dauerleihgabe der Gottfried Keller-Stiftung im Kunstmuseum Luzern befindet. Die klare Konturierung, die Farbigkeit und die deutlich grösseren Bildformate sind bezeichnend für diese Phase und verweisen auf Agasses Auseinandersetzung mit der Englischen Kunst. Leider lassen sich die Arbeiten, die bis 1800 in Genf und Paris entstanden sind, nicht in ihrer Gesamtheit eruieren. Neben den zahlreichen Tierdarstellungen beinhaltet Agasses umfassendes Werk auch nennenswerte Beiträge zur Genre- und Porträtmalerei. Motive aus dem alltäglichen Leben in viktorianischer Zeit, beispielsweise Kutschenszenen und spielende Kinder, erfreuen sich in England ebenfalls grosser Beliebtheit. Generell vermögen die Werke des Genfers durch die sorgfältige Bildkomposition und die klare Formensprache zu faszinieren.

Fabienne Sutter