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  • Max von Moos

  • Luzern 6.12.1903, Luzern 28.5.1979
  • Geschlecht: männlich
  • Nationalitaet: Schweiz
  • Taetigkeitsfelder: Druckgrafik, Malerei, Zeichnung
  • Jahr von: 1'903
  • Jahr bis: 1'979
Biographie
Ausgewählte Literatur
Werke

Max von Moos wird als zweiter Sohn des Kunstmalers und Kunstgewerblers Joseph von Moos und der Helena von Moos-von Schmid 1903 in Luzern geboren. Er wächst im Atelierhaus "Im Heimbach" in Luzern auf, das er mit wenigen Unterbrüchen bis an sein Lebensende bewohnt. Er wird streng katholisch und autoritär erzogen. Während eines Erholungsaufenthaltes — er erkrankt mit 14 Jahren an Tuberkulose — beginnt er zu zeichnen und in Tempera zu malen. 1919 wird sein Vater Direktor und Lehrer an der Kunstgewerbeschule Luzern und Max während dreier Jahre sein Schüler. 1922/1923 folgt ein Studienaufenthalt an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in München. Als Studierender zeigt er Interesse an Kunsttheorien und nimmt an Vorlesungen der Kunsthistoriker Joseph Popp und Heinrich Wölfflin teil. Gleichzeitig belegt er Sezierkurse und Vorlesungen über Anatomie.

Zurück in Luzern unterbricht er seine künstlerische Tätigkeit. Nach einer dreijährigen Ausbildung als Buchantiquar in Basel arbeitet er ein Jahr in einem Genfer Antiquariat. In Horw, wo er später für eine Werbeagentur tätig ist, lernt er den deutschen Maler Ernst Maass (1904-1971) kennen, mit dem er lebenslang freundschaftlich verbunden ist. Beide lassen sich von Klees Oeuvre begeistern. Max von Moos nimmt seine Tätigkeit als Künstler wieder auf und ist 1931 zum ersten Mal mit Arbeiten an der Ausstellung "Junge Kunst aus der Innerschweiz" in der Zürcher Galerie Aktuaryus vertreten. Im selben Jahr unterrichtet er als Stellvertreter an der Kunstgewerbeschule Luzern dekoratives Zeichnen und Malen, ab 1933 wird daraus eine feste Anstellung, die er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1969 wahrnimmt. Er unterrichtet verschiedene Fächer wie Form und Farbe, Schriftenmalerei, Figuren- und Aktzeichnen, Anatomie und Paramentik. Zahlreiche bekannte Schweizer Künstler sind von ihm unterrichtet worden. Dazu zählen beispielsweise André Thomkins, Rolf Winnewisser, Robert Wyss und Franz Fedier. Zusammen mit dem Kunstkritiker Konrad Farner setzt er sich mit dem Marxismus auseinander (1935). Ausserdem pflegt er Kontakt mit dem marxistischen Kunsthistoriker Max Raphael, der den Künstler 1937 in Luzern besucht.

Ab 1933 beginnt Max von Moos surrealistisch zu malen. 1936 nimmt er — zusammen mit 41 Schweizer Künstlern — an der vom Kunsthaus Zürich organisierten Ausstellung "Zeitprobleme in der Schweizer Malerei und Plastik" teil. Es ist die erste Ausstellung mit ungegenständlicher und surrealistischer Schweizer Kunst überhaupt. Max von Moos gehört zu denjenigen Schweizer Künstlern, die sich in der Zwischenkriegszeit der zunehmend idealisierte Kunst der "Gegenständlichen" widersetzen und in ihrer Malerei das Widersprüchliche, das Beunruhigende und Konflikthafte zum Ausdruck bringen. Ein Jahr später wird in Zürich die "Allianz — Vereinigung moderner Schweizer Künstler" gegründet, zu deren Mitglied auch von Moos zählt.

Von 1944 bis 1947 ist von Moos politisch in der Partei der Arbeit und Gründungsmitglied der Gesellschaft Schweiz-Sowjetunion aktiv. Da ihm unterstellt wird, sein Lehramt zu politischen Zwecken zu missbrauchen, zieht er sich aus der Politik zurück. Als Verehrer der griechischen Antike und der klassischen Kunst reist er 1955 und 1960 nach Griechenland. Es entstehen zahlreiche Zeichnungen nach griechischen Motiven. Auch nimmt er in einigen Werktiteln Bezug zur griechischen Mythologie.

Die Ausstellung "Tendances Actuelles III" in der Kunsthalle Bern von 1955 inspiriert ihn zu tachistischen Experimenten. Es entsteht eine Serie abstrakter Zufallsbilder (Inv. Nr. L 86.10x - L86.13x). Der Durchbruch zum national anerkannten Künstler gelingt ihm mit der 1961 gezeigten Retrospektive im Kunstmuseum Luzern: Eine kontinuierliche Ausstellungstätigkeit beginnt und sein malerisches Werk wird darauf in verschiedenen Museen der Deutschschweiz präsentiert.

Als Folge einer Operation fällt der Künstler 1971 in eine schwere Halluzinose. Ein jahrzehntelanges Augenleiden verschlimmert sich und verunmöglicht 1973 die Fortsetzung der Malerei in Öl und Tempera. Stattdessen entstehen bis Mitte der 1970er Jahre schwarze düstere Filzstiftblätter. Einige davon werden 1973 an der Doppelausstellung "Ernst Maass — Max von Moos" im Kunstmuseum Luzern gezeigt. Danach nimmt sein künstlerisches Schaffen ein Ende.

1979 erfolgt eine grosse Ausstellung im Kunsthaus Zürich. Kurz darauf stirbt von Moos in Luzern. 1984 wird sein Werk umfassend in einer Retrospektive im Kunstmuseum Luzern, später in Bonn, München und in Wien gezeigt. Ebenfalls im Luzerner Kunstmuseum beleuchtet 2001 eine Überblicksausstellung erneut das Schaffen von Max von Moos, die das Werk des Künstlers in einen kulturhistorischen Kontext stellt.

Als ein bedeutender Vertreter der modernen Schweizer Malerei hinterlässt Max von Moos ein Gesamtwerk, das von einer skeptischen Grundhaltung geprägt ist. Angst, Bedrohung, Zerstörung und Schmerz bestimmen seine Bildwelt. Er malt maskenhafte Köpfe, Kriegsbilder, Totenparaden, die von einer apokalyptischen Stimmung geprägt sind, Unterwasserbilder, mythologische Figuren aus der Antike. Neben der Tempera- und Ölmalerei nimmt auch das grafische Werk einen hohen Stellenwert in der Kunst des Luzerner Künstlers ein. Das Kunstmuseum Luzern besitzt einige wichtige Werke, die das surreale und zeitkritische Schaffen von Max von Moos reflektieren. Darunter "Versteinerte Tänzerinnen" (Inv. Nr. 99x), "Suggestion" (Inv. Nr. 511x) und "La Superba" (Inv. Nr. 174x).

Cornelia Ackermann