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  • Camille Graeser

  • Carouge 27.2.1892, Wald 21.2.1980
  • Geschlecht: männlich
  • Nationalitaet: Schweiz
  • Taetigkeitsfelder: Malerei
  • Jahr von: 1,892
  • Jahr bis: 1,980
Biography
Selected Bibliography
Work

Camille Graeser wird 1892 in Carouge bei Genf geboren. Sein Vater ist Ingenieur und stammt ursprünglich aus dem Elsass, seine Mutter aus einer süddeutschen Hugenottenfamilie. Nach dem Tod des Vaters zieht Graeser mit seiner Mutter nach Stuttgart, wo er von 1907 bis 1911 eine Schreinerlehre macht. Es folgt eine Ausbildung zum Innenarchitekten und das Studium an der Kunstgewerbeschule von Stuttgart bei Bernhard Pankok, der stark dem Jugendstil verpflichtet ist. 1915 wird er Privatschüler von Adolf Hoelzel.

Durch den Maler und Theoretiker lernt er eine Kunsttheorie kennen, die – noch stärker als diejenige von Paul Klee – bei der Untersuchung der malerischen Möglichkeiten einsetzt und thematische Fragen weitgehend beiseitelässt. Nach verschiedenen Arbeiten im Bereich der Grafik und des Innenausbaus muss Graeser 1933 vor den Schergen des Nazi-Regimes die Flucht ergreifen. Er lässt sich in Zürich nieder und wendet sich beinahe ausschliesslich der Malerei zu. Auch in anderer Hinsicht bedeutet Zürich einen Neubeginn. Wie viele seiner Schicksalsgenossen kann auch Graeser seine Arbeiten nicht mitnehmen und muss praktisch das gesamte Frühwerk vernichten.

Die frühen Bilder aus den 30er und 40er Jahren zeigen eine schlichte, von sicherem Formgefühl zeugende, zum Spätkubismus zu zählende Malweise, wie sie auch im Umkreis der Künstlervereinigung „abstraction-création“ verfolgt wurde. Schritt für Schritt löst sich Graeser von diesem Spätkubismus und beginnt geometrisch-ungegenständlich zu malen. Er findet Anschluss an Max Bill und Richard Paul Lohse und bildet mit ihnen und Verena Loewensberg den Kreis der „Zürcher Konkreten“, einer Gruppe, die sich gezielt auf die konkrete Malerei festlegt, sich jedoch nie zu einer festen und institutionalisierten Vereinigung zusammenschliesst.

Mit der konkreten Kunst, die unter Berufung auf die Theorie von Theo van Doesburg in der Schweiz der 1930er und 1940er Jahre entstanden war, hatte die ungegenständlich-geometrische Malerei eine späte, bis in die 1960er Jahre hinein anhaltende Blüte getrieben. In der Nachkriegszeit fand die konkrete Kunst, vor allem aufgrund der Arbeit des international tätigen Künstlers Max Bill, rasch die Anerkennung der internationalen Kunstwelt und breitete sich in Deutschland, Italien und Südamerika aus.

1964 widmet das Kunsthaus Zürich Graeser die erste Retrospektive. Die internationale Anerkennung gipfelt 1976 in der Retrospektive in Münster und Düsseldorf und 1977 an der Documenta 7 in Kassel. Nach längerer Krankheit stirbt Camille Graeser 1980 in der Höhenklinik Wald.

Hans-Peter Wittwer (leicht überarbeiteter Text von 1993)