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  • Pinchus Krémègne

  • Zaludok bei Vilnius 21.7.1890, Céret 5.4.1981
  • Geschlecht: männlich
  • Nationalitaet: Litauen
  • Taetigkeitsfelder: Malerei
  • Jahr von: 1'890
  • Jahr bis: 1'981
Biographie
Ausgewählte Literatur
Werke

Pinchus Kremegne wird 1890 bei Vilnius in Litauen als letztes von neun Kindern in einer russisch-jüdischen Familie geboren. Dort besucht er ab 1909 die Kunstakademie, wo er Bildhauerei studiert. Sein Jugendfreund Chaim Soutine, der ebenfalls aus Vilnius stammt, beginnt dort im selben Jahr das Studium der Malerei. Als illegaler Einwanderer gelangt Krémègne 1912 nach Paris, um sich weiter zu bilden. Er findet Anschluss und Unterkunft bei den russischen und polnischen Künstlern, die im Atelier La Ruche im Quartier Montparnasse angesiedelt sind. Nach drei Jahren Aufenthalt kehrt er der Bildhauerei den Rücken zu, um sich nur noch der Malerei zu widmen. Als Maler findet er Anerkennung in den Künstlerkreisen der Pariser Avantgarde: Er pflegt Freundschaften zu Chagall, Modigliani (der sein Porträt malt, heute im Kunstmuseum Bern), Léger, Vlaminck, Derain, und unterstützt zudem den jüngeren Soutine, der ihm 1913 nachgefolgt ist.

Schon bald hat Krémègne erste Käufer und feste Verträge, die eine Besserung seiner finanziellen Situation mit sich bringen. Im Vergleich zu den Malerkollegen seiner Generation wird Krémègne jedoch immer in bescheidenen Verhältnissen leben. Er unternimmt Reisen in den Süden Frankreichs, nach Korsika und an die spanische Küste. Die mediterranen Lichtverhältnisse regen ihn zum Malen von Landschaftsbildern an. In Paris studiert er eingehend die Werke Cézannes, Van Goghs, die Arbeiten der Expressionisten, der Kubisten und der Fauves; in der Rezeption der französischen Malerei bildet er seinen individuellen Stil aus. Seine stetige, konzentrierte Arbeit an einem kleinen Motivrepertoire, in welchem er Lichtwirkung und Ausdruckskraft der Farbe untersucht, führt ihn zu seinem charakteristischen minutiösen, dichten und vielschichtigen Pinselduktus. 1924 erhält er erste Einzelausstellungen, seine Stilleben und Landschaften werden für ihre ausgereifte Maltechnik und ihre ausgewogene Farbpalette geschätzt. Die Zeit bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges ist die künstlerisch produktivste: Mit leidenschaftlicher Hingabe malt er während zahlreicher Aufenthalte in den ländlichen Gegenden Frankreichs Landschaften oder im nun eigenen Atelier Porträts, Interieurs und Stilleben. Der Krieg zwingt ihn zum Unterbruch: Während seine Frau sich mit dem gemeinsamen Sohn in ihre schwedische Heimat begibt, flüchtet Krémègne in die unbesetzte Zone Frankreichs, wo er dennoch – als Jude deklariert – zur Feldarbeit gezwungen wird.

Nach dem Krieg kehrt Krémègne nach Paris zurück, doch wird er von nun an zurückgezogen und von den neuen künstlerischen Entwicklungen abgewandt leben. Erst in den 1950er Jahren wird sein Œuvre durch Ausstellungen in Paris, London, Israel und Philadelphia international bekannt, doch bleibt eine breitere Anerkennung aus. Seine letzten zwanzig Lebensjahre verbringt er zwischen Paris und Céret im Languedoc-Roussillon, wo er 1981 stirbt.

Krémègne legt sich schon früh auf Landschaftsbilder und Stilleben mit Blumen und Früchten fest, die er mit virtuosem Pinselduktus und einem pastosen, plastischen Farbauftrag in balancierten Kompositionen ausführt. Dies lässt sich anhand des Blumenstillebens (KML Inv.-Nr. G 809x) und der kleinen Stillebens mit Früchten (KML Inv.-Nr. 369x) gut nachvollziehen. Er ist ein Maler der alltäglichen, unscheinbaren Dinge aus der intimen Sphäre der häuslichen Umgebung. Exaltiertheit, Aggressivität, soziale oder psychologische Erkundung, die mit dem expressionistischen Malstil ausgedrückt werden könnten, liegen ihm nicht. Persönliche Erlebnisse, die Drastik des Krieges und seiner prekären Lage thematisiert er nie in seinen Werken. Vielmehr kommen in seinen kalibrierten Kompositionen die lichte Ausstrahlung einer Landschaft, die Sinnlichkeit eines Blumenstrausses oder das Saftige von Früchten zum Ausdruck. Die Dinge selbst in ihrer Einfachheit, aber in gesteigerter, ungestörter Präsenz.

Martina Papiro