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  • Nancy Spero

  • Cleveland, Ohio 24.8.1926, New York 18.10.2009
  • Geschlecht: weiblich
  • Nationalitaet: US-Amerikanerin
  • Taetigkeitsfelder: Zeichnung
  • Jahr von: 1'926
  • Jahr bis: 2'009
Biographie
Ausgewählte Literatur
Werke

Nancy Spero wird am 24. August 1926 in Cleveland, Ohio geboren. Die Familie zieht aber bereits ein Jahr später nach Chicago, wo Spero aufwächst. Nach dem Abschluss der New Trier High School lässt sie sich von 1945 bis 1949 an der School of the Art Institute of Chicago und von 1949 bis 1950 an der École des Beaux-Arts in Paris ausbilden. Sie kehrt in die USA zurück und absolviert eine Bühnengestaltung-Ausbildung in Connecticut, danach lebt und arbeitet sie bis 1951 in New York. Im gleichen Jahr heiratet sie den Maler Leon Golub, den sie seit ihrer Studienzeit kennt, und das Paar lässt sich in Chicago nieder. Beide befassen sich mit sozio-politischen und kulturellen Themen ihrer Zeit, wie dem Vietnam-Krieg, der Bürgerrechtsbewegung und der geschlechtlichen Gleichberechtigung. In den Jahren 1953 und 1954 kommen ihre beiden Söhne Stephen und Philip auf die Welt. Von 1956 bis 1957 lebt die Familie in Ischia und Florenz, wo Spero sich der Malerei widmet, die sich mit Themen von Müttern und Kindern sowie liegenden Figuren beschäftigt. In Italien erwacht ihre Faszination für das Format und den Stil der Etruskischen und Römischen Fresken sowie Sarkophage. Diese Auseinandersetzung wird in ihren späteren Arbeiten zum Ausdruck kommen. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in den USA, in Bloomington, Indiana, zieht es die Familie erneut von 1959 bis 1964 nach Europa. Dieses Mal lässt sie sich in Paris nieder, wo Spero ihre erste Einzelausstellung in der Galerie Breteau bestreitet. Die Künstlerin arbeitet an den Serien „The Paris Black Paintings“, die sich mit Liebhabern, Prostituierten, Müttern und Kindern sowie Monstern befassen. In diese Zeit fällt auch die Geburt ihres dritten Sohnes Paul 1961. Im Jahre 1964 kehrt die Familie nach New York zurück, wo die Künstlerin bis zu ihrem Tod lebt und arbeitet.
Von 1966 bis 1970 vollzieht sich ein Wandel in ihrem künstlerischen Schaffen: Sie hört auf, in Öl zu malen und beginnt auf Papier zu arbeiten, das sie mit Collagen, Zuschnitten und Texten bearbeitet. Zugleich wird sie politisch aktiv in New York, das sich mit der Kritik an der Gesellschaft nicht zurückhält. Sie beteiligt sich an der Friedensbewegung zum Vietnamkrieg und arbeitet an „War Series“, an kleinformatigen, schnell ausgeführten Bildern in Gouache und Tinte, die mit ihrer spürbaren Wut als unmittelbare Reaktion auf den Vietnamkrieg entstehen und zugleich aus ihrer persönlichen Rolle der Aussenseiterin als Kritik an dem von Männern dominierten Abstrakten Expressionismus gelesen werden können. Sie findet ihre eigene Bildsprache und bereits in diesen Bildern ist die sexuelle Symbolik von grosser Bedeutung, die sich aber im Laufe ihrer Karriere, von den männlichen Geschlechtsteilen hin zum weiblichen Körper, umkehren wird. Von 1968 bis 1969 tritt sie der „Art Workers Coalition“ (AWC) bei und nimmt an kunstpolitischen Handlungen teil. 1969 wird sie Mitglied in „Women Artists in Revolution“ (WAR), was die Teilnahme an feministischen Kampagnen in der Kunstwelt beinhaltet. Von 1970 bis 1971 entsteht ihre erste, waagrechte Rolle „Codex Artaud“ in ihrer neuen Bildsprache mit Collagen, gedruckten, vorgefundenen Bildern und Textzitaten auf Papier über Texte des französischen Schriftstellers Antonin Artaud. In der Öffentlichkeit tritt sie 1972 als eines der Gründungsmitglieder der A.I.R., Artists in Residence, auf. Es handelt sich dabei um eine alternative Frauengalerie in New York, die sich u.a. mit dem Thema der geringen Präsenz der Künstlerinnen in Museen und auf dem Kunstmarkt beschäftigt. Sie nimmt teil an politischen Aktionen, wie Eindringen in Büros von Museumsdirektoren und Versperren von Institutionseingängen mit Spruchbändern. Ihre daraus resultierenden Erfahrungen kommen in ihren damaligen Arbeiten zum Ausdruck. 1974 stellt sie ihre Arbeiten „Hours of the Night“ und „Torture in Chile“ in der A.I.R. Galerie aus. Beim Zyklus „Torture of Women“ (1976), der sich um die weltweite Folterung von Frauen dreht, fasst sie den Entschluss, sich in ihren zukünftigen Arbeiten auf das Thema der Frauen sowie deren Repräsentation in unterschiedlichen Kulturen zu konzentrieren und auf die Darstellung von Männern zu verzichten. Durch das Fehlen eben dieser manifestiert sie die männliche Dominanz in der herrschenden Gesellschaft. Folglich sind ihre Arbeiten ab den 1970er Jahren stark vom Feminismus geprägt. In den kommenden Jahren werden Werke wie „Notes in Time on Women“ (1979), eine Rolle mit Bezug zu Hauptdarstellerinnen in der Geschichte und den Kulturen und „The First Language“ (1981) mit einer Betonung des Tanzes sowie der geschichtlichen Marginalisierung der Frauen, „To the Revolution“ (1985), eine überschäumende, farbigere und expressivere Arbeit, „Sky Goddess I“ (1985) und „Sheela and the Dildo Dancer“ (1987) in Einzel- und Gruppenausstellungen in den USA, Kanada und Europa gezeigt. In ihren waag- und senkrechten Papierbahnen verzichtet sie seit Ende der 1970er Jahre auf Text und lässt die Gestalten einzig durch ihren Körper sprechen. Sie baut einen Fundus von Körperzeichen auf, die sie in Frauendarstellungen aus dem Bilderschatz der Menschheitsgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart vorfindet. Aus einigen entwachsen Prototypen, die immer wieder in Speros Werken, die die Geschichte der Frauen vergegenwärtigen sowie lebendig machen, auftreten. Spero versucht sich in Anlehnung an Hélène Cixous‘ „l’écriture féminine“ an „la peinture féminine“, d.h. einer Sprache, die dem weiblichen Körper, Geschlecht und Wesen adäquat ist.
Erst in den 1980er Jahren wird ihre Kunst rezipiert und sie erhält mit der Wanderausstellung ihrer Retrospektive in New York bzw. in London 1987 die Anerkennung als hervorragende figurative und feministische Künstlerin. Seit 1988 erfährt ihre Arbeit eine Veränderung: Die Bildfläche ihrer Rollen werden vergrössert, indem sie ihre Bilder direkt auf die Wand des Ausstellungsortes drückt und somit Wandinstallationen entwickelt, die mit der Architektur in einen Dialog treten. In den 1990er Jahren arbeitet Spero in erster Linie durch Handdruck mit Stempeln, da sie sich aus physischen Gründen infolge Arthritis einer neuen Technik zuwenden muss. Sie erweitert ihre Werke durch farbige und mit Ornamenten versehene Bildhintergründe, wie in „Black and the Red III“ (1994) und „Relay“ (2000). Zusätzlich wird ihr Schaffen mit mehreren Ehrendoktorwürden und Kunstpreisen geehrt. Sie bleibt bis ins hohe Alter aktiv und ist an Ausstellungen beteiligt. Ihr Ehemann Leon Golub entschläft 2004 und Nancy Spero stirbt infolge eines Herzinfarktes am 18. Oktober 2009 in Manhattan.

Karoliina Elmer