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  • Johann Jakob Biedermann

  • Winterthur 7.8.1763, Zürich-Aussersihl 10.3.1830
  • Geschlecht: männlich
  • Nationalitaet: Schweiz
  • Taetigkeitsfelder: Malerei, Zeichnung
  • Jahr von: 1'763
  • Jahr bis: 1'830
Biographie
Ausgewählte Literatur
Werke

Johann Jakob Biedermann wird am 7. August 1763 als Sohn eines Bäckers in Winterthur geboren. Erster Zeichenunterricht im Figurenzeichnen erhält er bei Johann Rudolf Schellenberg. Als er auf Wunsch des Vaters dessen Beruf erlernen soll, reist der 15-Jährige heimlich nach Bern, wo er beim Landschaftsmaler Heinrich Rieter seine Lehrjahre verbringt. Auf Anraten von Rieter widmet er sich dem sorgfältigen Studium und Kopieren der Niederländer Aelbert Cuyp und Nicolaes Berchem und der Tiermaler Paulus Potter und Johann Heinrich Roos. Ausserdem stellt er kleine Bildnisse und Landschaften in Aquarell und Bleistift her und erwirbt sich Kenntnisse im Kolorieren von topographischen Stichen. Dabei profitiert Biedermann vom in jener Zeit aufkommenden Tourismus, indem er beispielsweise kolorierte Stiche von Schweizer Veduten, beliebte Souvenirs für die Urlaubsreisenden, herstellt. 1790 geht er zur Ölmalerei über, auf die er die feinmalerische Technik des Aquarells überträgt.

In Bern arbeitet Biedermann zunächst als Zeichenlehrer und Porträtmaler, womit er sich Aufenthalte auf dem Land finanziert, um dort Studien von weidendem Vieh anzufertigen. Bekanntheit erlangt er 1796, als er 15 Blätter mit den Hauptorten der alten Eidgenossenschaft entwirft, radiert und in Bern herausgibt. Mit dem Einmarsch der französischen Truppen zwei Jahre später verliert er allerdings sein Einkommen als Künstler und muss sich seinen Lebensunterhalt als Sekretär in der Verwaltungskammer der Regierung verdienen. In dieser Zeit verfasst er anonym eine gesellschaftskritische Schrift "Bern, was es werden könnte!", worin er einen überraschend forschen Ton gegenüber den Aristokraten anschlägt.

Nach diesen Anfängen in Bern ist der insgesamt viermal verheiratete Maler viel unterwegs. Auf einer Vielzahl von Wanderungen durch die Schweiz und durch Teile Deutschlands entstehen eine Anzahl topographischer Studien, deren Motive er in unterschiedlichen Zusammenhängen häufig in seinen Gemälden aufgreift.1801 bricht er nach Paris auf in der Hoffnung, dort zwei in Winterthur gemalte militärische Szenen dem Nationalmuseum verkaufen zu können.

Im Jahr darauf reist Biedermann nach Konstanz, wo er die folgenden fünf Jahre verbringt. Unterstützt durch seinen Gönner, einem Herrn von Wessenberg, betätigt er sich als Porträtist und Landschaftsmaler. Zusammen mit Gabriel Lory gibt er für eine Kunsthandlung in Herisau topographische Ansichten der Schweiz heraus. Die nächsten sieben Jahre lebt Biedermann in Basel, reist 1814 abermals für weitere dreizehn Jahre nach Konstanz, das zu seiner zweiten Heimat geworden ist. Von dort aus unternimmt er häufig Reisen in die Schweiz und nach verschiedenen süddeutschen Städten, wo er in gehobenen, teilweise adligen Kreisen verkehrt und mit Porträtaufträgen beschäftigt ist. Erst 1827 kehrt er in die Schweiz nach Zürich-Aussersihl zurück, wo er am 10. März 1830 stirbt.

Der Maler widmet sich zeitlebens sowohl der Ölmalerei, als auch der Druckgraphik. Schon früh entdeckt der geübte Reiter eine spezielle Liebe zu Tieren, insbesondere zu Pferden, was ihn zu Studien in der Natur anspornt. Seine Gemälde, aber auch die Radierungen sind sorgfältig durch Zeichnungen und Aquarelle vorbereitet (vgl. KML 95.201y). Die präzisen Umrisszeichnungen mit den an Pausen erinnernden, durchgehenden Konturlinien ohne Schattierungen lassen vermuten, dass Biedermann sich des Hilfsmittels der Camera lucida bedient haben könnte. Die vom Engländer William Hyde Wollaston erfundene und 1806 patentierte Camera lucida ist einiges kleiner und handlicher als die ältere Camera obscura und deshalb für das Arbeiten im Freien und das schnelle und präzise Erfassen der Natur besonders geeignet.

Die Formate seiner Gemälde bleiben eher klein. Sind seine gebirgigen Landschaften und Genreszene anfangs noch rokokohaft elegant und malerisch locker, verändert sich die Malweise um 1800, wird präziser und härter. Der glatte, dünne Farbauftrag sowie der Gebrauch von traditionellen Kompositionsschematas erinnern an die Alpenlandschaften des Klassizisten Joseph Anton Koch, während der Versuch, die Verbindung von Landschaft, Mensch und Tier möglichst harmonisch und naturnah zu gestalten, auf den Realisten Rudolf Koller voraus weist.

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