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  • Giuseppe Penone

  • Garessio Ponte (Cueno/Piemonte) 3.4.1947
  • Geschlecht: männlich
  • Nationalitaet: Italien
  • Taetigkeitsfelder: Skulptur
  • Jahr von: 1,947
  • Jahr bis:
Biography
Selected Bibliography
Work

Giuseppe Penone wird 1947 in Garessio geboren. Das Aufwachsen in ländlichen Umgebung stellt eine zentrale Erfahrung für das Werk des Bauernsohns dar. Laut dem Künstler ist der Unterschied zwischen Natur und Kultur ein geringer, denn in Europa finde sich kein Fleck wirklich unberührter Natur. Das Land sei durch „Tausende von Jahren“ der menschlichen Bearbeitung angeeignet worden und der Mensch Teil der Natur, der nicht getrennt von ihr betrachtet werden kann.

1968 finden seine ersten künstlerischen Aktionen in und mit der Natur statt. Der Kunstkritker und Kurator Germano Celant nimmt den jungen Künstler im selben Jahr in seine „Ars-Povera“- Publikation auf. Von da an gehört er zu einem der wichtigsten Vertreter der Bewegung, die in den 1960er und 70er Jahren die Kunstwelt massgeblich prägte, und nimmt an all ihren grossen Ausstellungen teil. Die Künstler der Arte Povera, wie Giovanni Anselmo, Alighiero Boetti, Pier Paolo Calzolari, Luciano Fabro, Jannis Kounellis, Mario Merz, Marisa Merz, Giulio Paolini, Michelangelo Pistoletto und Gilberto Zorio bilden keine Künstlergruppe im engeren Sinn. Der von Celant 1967 geprägte Begriff bezeichnet vielmehr eine allgemeine Strömung in der italienischen Kunst der späten 1960er Jahre. Im Gegensatz zur nur einige Jahre zuvor in den USA aufgekommenen Pop Art, in der neue Medien thematisiert und benutzt werden, verwenden die Arte povera Küstler „arme“, nicht wertvolle Materialien, die sie häufig in der Natur vorfinden, wie beispielsweise Steine, Baumstämme, Blätter, Erde oder Metalle. In diesem Suchen neuer Arbeitsgrundlagen, die sie nicht direkt von ihrem kulturellen Umfeld beziehen, lösen und distanzieren sie sich laut Penone von traditionellen Kunstformen. Celant schreibt von der Arte povera als „Aufstand der magischen und erstaunlichen Werte von natürlichen Elementen“. Generell ist den Kunstwerken eine provozierende Hinterfragung der Welt, ein zeitloser, poetischer Charakter und starker Bezug zu dem sie umgebenden Raum eigen.

Penone gehört zu den wenigen Arte povera Künstlern, die Werke im Aussenraum realisieren: er flechtet drei junge Bäume ineinander, schlägt einen Eisenkeil mit den Zahlen 1 bis 10 und dem Alphabet in einen Stamm und lässt Vögel aus einem gewaltigen Brotlaib picken, in welchem er das Alphabet aus Eisenblech eingebacken hat.
Er untersucht den Austausch zwischen Mensch und Natur, die visuellen und taktilen Kontaktzonen dieser Beziehung. Das konkrete Machen ist ihm wichtig, denn erst wenn man etwas angefasst hat, erlebt hat, besitzt man die Erfahrung der Räumlichkeit und erst dann kann man es begreifen, so die Ansicht des Künstlers. Er versteht sich als Bildhauer, arbeitet aber auch zeichnend und installativ. Häufig überlässt er die Realisierung seiner Werkideen dem Wachstumsverlauf von Pflanzen, in den er gezielt eingreift. Beispielsweise legt er einen eisernen Abguss seiner Hand dauerhaft um einen kleinen Baumstamm, lässt seine Physiognomie im Wuchs von Kartoffeln und Kürbissen entstehen und fixiert seinen Körperabdruck mit Draht an der Baumrinde. Denn, so Penone: „Wenn man ein anderes Zeitmass anlegt, dann ist der Baum nicht fest sondern fliessend. Er entwickelt sich.“ Ab 1969 bis 1991 entsteht sein Baum-Zyklus, zu dem auch der „Albero di undici metri“ in Luzern gehört.
In seinen Werken behandelt Penone bildhauerische Problemstellungen, wie Fragen nach dem Positiv- und Negativvolumen, nach Raumerfahrung, körperlicher Präsenz und Veränderung.
In den 1980er Jahren schafft Penone anthropomorphe Figuren in Bronze, die durch das Wachstum der in sie gepflanzten Büsche komplettiert werden. In jüngeren Werken werden Teile seines Körpers, wie Fingernägel oder Hirnschlingen stark vergrössert in den Materialien Glas und Stahl und in Zusammenhang mit der sie umgebenden Natur dargestellt. Auch in seinem Spätwerk bleibt Penone seinen Fragestellungen treu, jedoch vermisst man im Vergleich zu früheren Arbeiten zum Teil die Einfachheit und Direktheit der Umsetzung seiner Ideen. Bemerkenswerterweise äussert sich Penone ausführlich über sein Werk in zahlreichen theoretischen Texten.

Neben vielen Einzelausstellungen, unter anderem in Amsterdam, London, Mailand, Turin, Bonn, New York, Nîmes, Ottawa, Paris, Santiago de Compostella, stellt Penone in zahlreichen international bedeutenden Gruppenschauen aus. So nimmt er teil an der documenta 5, 7 und 8 in Kassel, an der Biennalen in Sao Paulo 1975, Sydney 1976, Venedig 1978 und 1980 und Florenz 1996. Das Kunstmuseum Luzern widmete ihm 1977 eine Einzelausstellung mit dem Titel „Giuseppe Penone. Bäume, Augen, Haare, Wände, Tongefässe“ 1977.

Chonja Lee