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  • Alois Lichtsteiner

  • Ohmstal 9.7.1950
  • Geschlecht: männlich
  • Nationalitaet: Schweiz
  • Taetigkeitsfelder: Malerei
  • Jahr von: 1'950
  • Jahr bis:
Biographie
Ausgewählte Literatur
Werke

Alois Lichtsteiner wird 1950 in Ohmstal (Luzern) geboren. 1970 macht er seinen Schulabschluss mit Lehrerdiplom in Luzern, arbeitet danach jedoch in verschiedenen handwerklichen Berufen weiter.

1974 macht er eine längere Reise nach Nord- und Zentralafrika. Danach kehrt er in die Schweiz zurück und besucht die Kunstgewerbeschule Zürich, wo er 1978 seinen Abschluss macht. Im selben Jahr findet in der Berner Galerie bei Johannes Gachnang seine erste Einzelausstellung statt. Von 1980 bis 1983 ist Lichtsteiner Mitglied der Künstlergemeinschaft SILO Bern, mit welcher er an Gruppenausstellungen in der Kunsthalle Bern und im Kunsthaus Zürich teilnimmt.

Dank eines Stipendiums des Kantons Bern weilt er von 1989 bis 1990 in Paris. Seither lebt und arbeitet der Künstler sowohl in Paris als auch in Murten. In den Jahren 1994 bis 1997 unterrichtet er ausserdem als Dozent an der Ecole Cantonale des Beaux Arts in Sitten.

Der Schwerpunkt in Lichtsteiners malerischem Werk liegt in der Ambivalenz zwischen Abbild und selbstreferentieller Malerei. Während in einigen Werken der dargestellte Gegenstand unmittelbar erkennbar ist, erschliesst sich das Motiv in anderen Kompositionen erst mit Hilfe des Werktitels. Aus der Nähe betrachtet wirken seine Bilder oft abstrakt. Entfernt man sich jedoch von ihnen, dann erkennt man die Motive meist, weil unser Auge den dargestellten Ausschnitt zu uns bekannten Bildern ergänzt. Dies ist zum Beispiel bei den Berg-Werken – sein umfangreichster Zyklus aus den Jahren 1998–2009 – sehr gut ersichtlich. Die schneebedeckten Berge in weisser Farbe mit den einzelnen geschmolzenen Flächen in Schwarz wirken aus der Nähe wie graue Flecken, aus einem gewissen Abstand betrachtet, nehmen die in verschiedenen Schwarz/Weiss-Farbtönen gehaltenen Flächen jedoch plötzlich die klare tektonische Struktur eines Gebirgsmassives an.

Die abstrahierende Form der malerischen Abbildung in Lichtsteiners Werken lässt darauf schliessen, dass es dem Künstler nicht primär um das Abbildhafte in der Kunst geht, sondern vielmehr um die Malerei an sich. Die Farbe, die Fläche und die Pinselführung übernehmen Priorität. Genauso wenig wie Lichtsteiners Werk jedoch als Abbild verschiedener Motive definiert werden kann, ist es nicht möglich, es als reine Abstraktion zu beschreiben, denn gerade mit seiner Wahl der Werktitel, welche jeweils konkret auf ein Objekt oder Motiv verweisen, betont er den Wert des Abbildhaften in seinen Arbeiten. Der Künstler bewegt sich daher weder im einen noch eindeutig im anderen Bereich, sondern versucht eine Synthese zwischen Abbild und Abstraktion zu schaffen, welche in der Geschichte der Malerei auf Grund der klaren Trennung der beiden Ausdrucksformen kaum zu finden ist.

In seinen Werken hebt Lichtsteiner die traditionelle Grenze zwischen Figur und Hintergrund auf. In seinen Kompositionen werden die Gegenstände zu abstrakten Farbformen, welche die Malfläche gliedern. Die dick aufgetragene Farbe und die Bewegungen der Flächen werden in seiner Malerei zu einer körperhaften Materie, die auf seinen Gemälden wie eine dichte, elastische, ungleichmässig strukturierte Haut wirkt, welche die Leinwände überzieht. Seine Malerei ist daher sowohl der Darstellung von gattungsspezifischen Qualitäten wie Pinselstriche bzw. Farbe auf einem Bildkörper als auch der Wiedergabe eines Gegenstandes bzw. der Assoziation an einen solchen verpflichtet. Seine Gemälde sind mit Haut (=Farbe) bedeckte Bildkörper (=Leinwand). Ähnlich der Berührung einer Haut ist für den Künstler entscheidend, was durch diese Oberflächen der Malerei erfahrbar ist. Er erwartet vom Betrachter, dass dieser selbst eine sinnliche Wahrnehmung der Welt über diese Haut vollzieht und dem Werk folgend eine konkrete Bedeutung verleiht.

Lichtsteiners Schaffensweise in Zyklen bietet den Betrachtern seiner Werke die Möglichkeit die dargestellten Objekte von diversen Blickrichtungen her zu ergründen. Nicht die Wiederkehrung eines Motivs steht dabei im Vordergrund, sondern die Variation in der Wiederholung. Dadurch entsteht eine besonders intensive Auseinandersetzung des Betrachters mit den dargestellten Objekten. Beispiele solcher Zyklen sind u.a.: „Der Inhalt der Gefässe“, „Birke“ oder „Berg“.

Tamara Fullin