deutschenglish
  • Vassily Khmeluk

  • Berezivka/Žmerynka 31.07.1903, Paris 02.11.1986
  • Geschlecht: männlich
  • Nationalitaet: Ukraine
  • Taetigkeitsfelder: Malerei
  • Jahr von: 1,903
  • Jahr bis: 1,986
Biography
Selected Bibliography
Work

Vassily Khmeluk wird am 31. Juli 1903 in der ukrainischen Region Podolie in der Nähe von Berezivka/Žmerynka geboren. Von 1921 bis 1922 studiert er an der ASP in Krakau bei Wladyslaw Jarocki. In den Jahren 1923 bis 1928 arbeitet er in Prag im Kunststudio von Dmytro Antonovyč, bei Sergej Aleksandrovič Mako. Ab 1926 besucht er Veranstaltungen der Philosophischen Fakultät an der Karlsuniversität in Prag. Zu Fuss wandert er nach Paris, wo er sich 1928 im Künstlerquartier Montmartre niederlässt, sich vollumfänglich der Malerei widmet und die grossen Meister im Louvre studiert und kopiert. Er verkauft einige Bilder an Bekannte und verkehrt mit den Künstlern Maurice Utrillo, Lucie Valore und Dunoyer de Segonzac, in den Kreisen der Ecole de Paris, einem losen Verbund vor allem ausländischer, avantgardistischer Künstler, der in den Jahren 1910 bis 1940 in Montmartre und Montparnasse besteht. Khmeluk war angeblich Mitglied des Salon d'Automne, wo er 1928 "Nature Morte" und „Poisson“ ausstellte (siehe „Dictionnaire Bibiographique des Artistes Contemporains“ von Edouard-Joseph). Es konnten jedoch keine Belege für eine Zugehörigkeit zu dem Salon d’Automne gefunden werden.

Khmeluk malt vorzugsweise Landschaften und Stillleben, jedoch auch Akte und Porträts, meist von jungen Frauen sowie Kindern und Clowns. Für seine Landschaftsmalerei zog es ihn nach le Midi, im Süden Frankreichs (Saint-Paul-de Vence, les hauts de Mougins, Villefranches, Sanary) und in die Bretagne (Audierne, Pont-Aven und Umgebung). Er begeisterte sich für die malerischen Ufer der Loire, des Loir und das Val d’Or. Daneben bot ihm Paris mit den Quais der Seine und dem Montmartre Sujets. Er widmete sich nur vereinzelt religiösen Themen wie „Christus im Dornenkranz“ oder der „Gekreuzigte“, beide in Öl und in einer Pariser Privatsammlung. Khmeluks Malerei zeichnet sich durch den schnellen Pinselduktus, pastosen Farbauftrag und eine eher dunkle Palette aus, wobei die expressionistischen Züge seiner Kunst sie in die Nähe der Fauves, speziell Maurice Vlamincks Spätwerk bringt. Bei einer Vereinfachung des Gegenständlichen lässt Khmeluk den Vorrang der Ausdrucksstärke der Farbe. Zeichnungen und Grafiken sind zum Teil in futuristischer und surrealistischer Manier gefertigt. Die Dichtungen des Künstlers sind ebenfalls surrealistisch und auch dadaistisch geprägt.

1933 stellt ihn ein Freund dem Kunsthändler Serge Stchoukine vor, was sich prägend auf seine Laufbahn auswirken wird. Zwei Jahre später hat er die Gelegenheit dem gut vernetzten Kunsthändler Ambroise Vollard seine Bilder zu zeigen. Dieser empfiehlt ihn den Sammlern Zborowsk und Wollman und organisiert seine ersten Ausstellungen, von denen vor allem diejenige in der Galerie Wollmann an der Rue de Seine in Paris ein grosser Erfolg ist. 1937 folgt eine Ausstellung in der Galerie Alfred Poyet, 1938 stellt Khmeluk erfolgreich in der Galerie Stoern in London aus. 1939 verweilt er erst in Italien, um dann in der Schweiz unter anderem mehrere Gemälde vom Ufer des Genfersees anzufertigen. Das Kunstmuseum Luzern soll im gleichen Jahr Werke dieser Periode erstanden haben.
Es ist anzunehmen, dass er sich, wie viele andere Künstler, bei Walter Minnich in Montreux aufhält. Dieser stammt aus einer kulturell gebildeten Badener Ärztefamilie. Der in Montreux praktizierende Arzt fördert neben Khmeluk, der ihm als Berater für Kunstkäufe zur Seite steht, weitere Künstler der Moderne. Über Walter Minnich und Paul Hillber, den damaligen Konservator des Kunstmuseum Luzern lernt Khmeluk zahlreiche Schweizer Maler kennen. Vor Minnichs Rückzug nach Vicenza, wo er 1940 stirbt, übergibt er 1936 dem Kunstmuseum Luzern wertvolle Werke seiner Sammlung im Hinblick auf eine spätere Schenkung. Seine damals in Luzern lebende Tochter Alice Minnich ist mit dem Vollzug dieser Schenkung beauftragt. 1944 geht ein umfangreicher Teil der Sammlung ergänzt mit Werken aus dem Besitz von Walter und Alice Minnich definitiv in den Besitz des Kunstmuseums Luzern über. Neben der Werkgruppe von Khmeluk umfasst die Sammlung Minnich weitere Gemälde unter anderem von Chaim Soutine, Max Pechstein, Moritz Melzer, Raoul Dufy, Charles Dufresne, Amedeo Modigliani und Maurice Vlaminck.

1940 kaufen sowohl das Museum Stockholm als auch der Sammler Gunard Lundberg mehrere Werke Khmeluks. Auch der Französische Staat erwirbt über den Vermittler Pierre Ladoué, den Chef-Konservator des Departements der Modernen Kunst ein Stillleben. 1942 findet eine grosse Schau in den Sälen des Tessiner Institutes in Paris unter der Patronage des Botschafters Raoul Nordling und Pierre Lasoué statt. Die erste Ausstellung in der renommierten Pariser Galerie Durand-Ruel dauert vom 15 Oktober bis zum 6. November des Jahres 1943. 1945 ersteht der Französische Staat erneut ein Werk Khmeluks, die Figur „Le petit chaperon rouge“. Im selben Jahr stellt Khmeluk wieder in der Galerie Durand-Ruel aus, wobei hierzu ein Katalog mit einem Vorwort von Gaston Diehl erscheint. Von da an interessiert sich der Galerist M. Durand-Ruel zunehmend für die Produktion des Künstlers und organisiert Ausstellungen in diversen ausländischen Hauptstädten, beispielsweise in der Galerie Durand-Ruel in New York im Dezember 1946. In Louveciennes, einer französischen Kleinstadt etwa 20 km westlich von Paris, wohnt und malt Khmeluk in der Villa „Les Vergers“. Vom 3. bis 21. Februar 1947 werden die aktuellsten Werke in der Galerie Durand-Ruel in Paris gezeigt. Im März 1948 folgt abermals eine Schau in der New Yorker Galerie Durand-Ruels. Drei Jahre später, vom 1. bis 17. März, findet die Ausstellung kürzlich fertig gestellter Werke in der Galerie Durand-Ruel statt. Vom 14. Januar bis zum 2. Februar 1955 stellt er wiederum seine neuesten Werke in der Galerie Durand Ruel in Paris aus. Auch im folgenden Jahr findet im Januar (3. bis 18. Januar 1956) eine Ausstellung Khmeluks an der selben Adresse statt. Zur Schau vom 24. März bis zum 14. April vier Jahre später wird ein Katalog mit einem Vorwort von Charles Kunstler gedruckt. Die Ausstellung vom 4. Januar bis zum 11. Februar 1967 in der Galerie Durand-Ruel in Paris steht unter dem Titel „Œuvres choisies entre 1935 et 1960“. Eine Einführung findet in Form eines Briefes von Khmeluk an Charles Durand-Ruel statt. Sieben Jahre später werden vom 8. Juni bis zum 8. Juli Werke Khmeluks in der Galerie Durand präsentiert, wobei dem Katalog mehrere Presse-Ausschnitte aus der Zeit on 1945 bis 1960 beigefügt sind. Ausstellungen in London, Genf, Marbach, München, Köln und immer wieder Paris folgen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Seine Werke finden sich neben zahlreichen Privatsammlungen im Kunstmuseum Luzern, im Musée d'art moderne in Paris, in Lwow und in Stockholm. Im Kunstmuseum soll sich neben dem heutigen Bestand ein Ölgemälde aus dem Jahr 1936 befunden haben, das ein Porträt von Staroï Žinsky zeigt.

Am 9. November 1986 stirbt der mit der Künstlerin Geneviève Chapront verheiratete Vassily Khmeluk in seinem Atelier an der Rue de l’Ordoner 189, in der „Cité Montmartre aux Artistes“, einer aussergewöhnlichen Ansammlung von 180 Ateliers, die seit den 1930er Jahren besteht und Künstler aus diversen Gebieten zur Verfügung stehen.

Für weitere Ausstellungen, Literaturlisten etc. siehe Lexikon Eintrag: Jaciv, R., "Art. Chmeljuk", in: Saur. Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Bd. 18, 1998, S. 591.

Chonja Lee