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Spielhahn im Gleitflug
  • Hans Emmenegger
  • Spielhahn im Gleitflug, um 1930

  • Öl auf Leinwand
  • 74 x 115.7 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur, Bern
  • Inv.-Nr. D 49x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,928
  • Jahr bis: 1,932
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Insgesamt ist Hans Emmenegger gegenüber den Neuerungen des frühen 20. Jahrhunderts in der Bildenden Kunst eher skeptisch eingestellt. Man täte ihm jedoch unrecht, wenn man ihn als Gegner der Avantgarde bezeichnen würde. Denn Mitte der 1910er Jahre schafft Emmenegger Bilder, die durchaus moderne Züge aufweisen und die Auseinandersetzung mit dem neuen Zeitgeist in der Kunst zum Ausdruck bringen. Emmenegger selbst bezeichnet seine Experimentierphase mit „Bewegungsimpressionen“ oder „neue Prinzipien". Er setzt sich dabei mit der bildlichen Darstellung von Bewegungsabläufen auseinander, die auf der präzisen Beobachtung der Natur beruhen. Um 1910 versuchten bereits die Futuristen, darunter der Turiner Giacomo Balla, ähnlich einer fotografischen Mehrfachbelichtung, Bewegung durch die Darstellung zeitlich verschiedener Positionen zu suggerieren. Emmenegger ist vermutlich auf Darstellungen dieser Art gestossen und hat möglicherweise Werke von Balla, die Ähnlichkeiten mit Emmeneggers visualisierten Bewegungsabläufen haben, gekannt.

Dem vorliegenden Werk liegt eine kleinere, frühere Fassung aus dem Jahre 1915 zugrunde (Inv. Nr. 94.157x), die exakt in diese Experimentierphase fällt und den Gleitflug eines Spielhahnes, auch Birkhahn genannt, zeigt. Im Gegensatz zum Werk, das um 1930 entstanden ist, steuert der Spielhahn dort von links nach rechts auf einen Felsen zu, der aus einer dunklen Landschaft mit Baumwipfeln im Vordergrund aufragt. Auf der späteren Version rückt Emmenegger den von rechts oben nach links fliegenden Spielhahn und den Tannenwipfel in den Vordergrund und lässt Felswand und Horizont weg. Er vereinfacht und reduziert die Szene auf das Wesentliche. Auf beiden Fassungen ist die Flugbahn des Birkhahns mit der auffälligen roten Rose über den Augen, durch einen Streifen symbolisiert und breit ausgemalt. Dieser vermittelt den Eindruck von Geschwindigkeit und Bewegung indem er die Flugstrecke nachzeichnet, die der Vogel in der Dämmerung zurücklegt.

Cornelia Ackermann