deutschenglish
African Culture Myth
  • Anthony Douglas Cragg
  • African Culture Myth, 1984

  • schwarze Plastikteile
  • signiert und datiert auf dem Zertifikat, mit Kugelschreiber: "This ist the Certificate for the sculpture / "African Culture Myth" made by me in 1984. / AD Cragg 5.6.86."
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 87.55w
  • © Anthony Cragg
  • Jahr von: 1,984
  • Jahr bis: 1,984
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

In "African Culture Myth" sind Fundstücke aus schwarzem Kunststoff so zu einer Silhouette angeordnet und an die Wand befestigt, dass sie an die Gestalt einer afrikanischen Skulptur erinnern. Die einheitliche Figur ist aus Plastikfragmenten unterschiedlichster Herkunft und Funktion gebildet – hier besteht keinerlei Zusammenhang zwischen Teil und Ganzem, Inhalt und Form, Material und Titel, sind doch Kunststoff-Fragmente aus Abfall eines der Embleme der westlichen Zivilisation.

Bezeichnend für Craggs Schaffensperiode der 1980er Jahre ist die Verwertung von Plastikmaterial, von Gegebenem und Fragmentarischem, das er zu einer Figur oder einer Form auslegt. Industriell Hergestelltes, zu funktionalem Objekt Verarbeitetes, das durch seine Allgegenwärtigkeit und Alltäglichkeit gering geschätzt wird, untersucht Cragg in seinem Wert als Bestandteil der Kultur. Das Gestalten mit künstlichem Material soll den Blick für die Bedeutung öffnen, die neues, modernes Material für uns hat. Dies führt nun keineswegs zur Ästhetisierung von Kunststoff – Cragg interessieren weder spezifisches Objekt-Design noch eine Verwertung im Sinne der Pop Art – sondern offenbart das pointiert sozialkritische Engagement des Künstlers: Die Auseinandersetzung mit der Materialkultur schafft Erkenntnis über kulturelle Werte und einen bewussteren Umgang mit den Errungenschaften der Industrialisierung. Im Nachvollzug des Prozesses des Findens, Sammelns und Anordnens ist man bereits auf dem Weg zur Erkenntnis, die Cragg mit seinem künstlerischen Verfahren auslösen möchte.

Die kritische Hinterfragung der eigenen, westlichen Materialkultur anhand des Vorstellungsbildes "Mythos Afrika" zwingt zu einer veränderten Wahrnehmung der eigenen Umwelt. Die Gegensatzpaare Mythos – Realität, Natur – Kunststoff, Kunst – Abfall, Handarbeit – industrielle Produktion, Singularität – Massenware, die man jeweils am Pol "Afrika" auf der figürlichen Ebene oder am Pol "Westen" auf der Materialebene festmachen kann, erweisen sich als relative Kategorien. So fordert Cragg mit seiner Arbeit zu einer Neubewertung von Kultur aufgrund einer bewussten Auseinandersetzung mit den sie prägenden Elementen auf.

Martina Papiro