deutschenglisch
East Rock
  • James Welling
  • East Rock, 1995

  • Inkjet Print auf Papier
  • 83.5 x 69 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 98.14q
  • © James Welling
  • Jahr von: 1'995
  • Jahr bis: 1'995
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Die Fotografie von 1995 zeigt eine Landschaftsansicht, die vom Betrachter aufmerksames Beobachten verlangt, um zu erkennen, was abgebildet ist. Welling will, wie er sagt, den Prozess, „diese Art des Erkennens verlangsamen“, das Abgebildete nur schichtweise offen legen. Im Vordergrund ragt ein blätterloser Baum in die Höhe, dessen Äste über den Bildrand hinausreichen. Hinter ihm führt eine Brücke auf halber Höhe quer durchs Bild. Im Fluss spiegeln sich die Umgebung und der Himmel. Im Hintergrund schliesslich ist ein Berg erkennbar, dessen obere Zacken angeschnitten und an dessen Abhang weisse Flecken auszumachen sind – Schneefelder. Ein Moment ist festgefroren, ohne dabei aber einen repräsentativen Dokumentar-Charakter zu erhalten. Die Fotografie hinterlässt vielmehr den Eindruck, der Bildausschnitt sei zufällig gewählt worden. Es ist nicht erkennbar, welche Landschaft Welling hier abgebildet hat. Erst der Titel „East Rock“ legt offen, dass es sich um einen beliebten Ausflugsberg in New Haven im Staate Connecticut handelt, von wo James Welling ursprünglich stammt.

Entgegen einer klassischen touristischen Werbe- oder Erinnerungs-Fotografie, welche den Berg ins beste Licht rücken würde, zeigt Wellings Aufnahme eine ungewöhnliche Sicht auf den Berg. Dieser verschwindet praktisch hinter dem Baum und wird in seiner eigentlich majestätischen Höhe beschnitten. Die Fotografie geht gerade wegen des unspektakulären Blickwinkels auf ein eigentlich spektakuläres Objektes über die simple Reproduktion hinaus. Welling hat den Ausschnitt so gewählt, dass sich die Äste des sich im Bildvordergrund befindenden Baumes wie bei einer abstrakten all-over-Malerei über die gesamte Fotografie erstrecken. Dieses fein verästelte Liniennetz legt sich über hellere und dunklere Flächenabfolgen der Landschaft. Darstellende und abstrakte Momente verschmelzen. Eine Eigenheit, die Welling ganz allgemein in jeder Fotografie auszumachen weiss, wie eine Aussage von 2007 aufzeigt: „Ich sehe immer weniger Unterschied zwischen darstellender und so genannter abstrakter Fotografie. In jeder Fotografie gibt es immer darstellende und abstrakte Momente.“ Diese darstellende und abstrakten Momente können einerseits auf einer Aufnahme nebeneinander existieren. Oder ein konkreter Gegenstand, eine reell existierende Landschaft, wie die Aufnahme des East Rocks, können in Wellings Fotografien ohne Bildmanipulation, einzig durch Wahl des Bildausschnittes zur abstrakten Komposition werden.

Anne-Laure Jean