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We Know Time (in Zusammenarbeit mit Federico Spadoni)
  • Fabian Marti
  • We Know Time (in Zusammenarbeit mit Federico Spadoni), 2010

  • Video (Blu Ray), Farbe, Ton
    Edition 3/5 +2AP
  • Kunstmuseum Luzern. Depositum der Walter A. Bechtler Stiftung, Uster. Courtesy der Künstler und Gale
  • Inv.-Nr. WAB
  • Jahr von: 2'010
  • Jahr bis:
Werkbeschrieb

«We Know Time» ist Fabian Martis erste Videoarbeit und doch kann sie als wichtiger Dreh- und Angelpunkt zum Verständnis seiner bisherigen Arbeit angesehen werden. Im sechzehnminütigen Film, den Marti als «Reversed Land Art» bezeichnet, treten der Künstler und ein Freund als Protagonisten in der Wüstenlandschaft Joshua Tree in der Nähe von Los Angeles auf. In einer theatralischen Dramaturgie kommen sie hinter einem massiven Felsen hervor und erklimmen in der flirrenden Sommerhitze einen Hügel, an dessen Rand ein massiver Findling liegt. Es scheint, als genüge ein kleiner Schubs und der Stein rolle ins Tal, doch der Schein trügt: Mehrmals versuchen die beiden mit aller Kraft, den Felsbrocken hinunter zu stossen, müssen aber am Schluss aufgeben. Ohne ein Wort zu wechseln machen sie kehrt und verschwinden wieder in derselben Richtung, aus der sie kamen, hinter einem Felsen.
Martis Idee einer «Zeitlinie», die im Sinne eines Instinkts in den Menschen eingeschrieben ist und alle Epochen miteinander verlinkt, postuliert somit eine Form der Gleichzeitigkeit. Formal ist diese Idee bereits in vielen früheren Werken angelegt, zum Beispiel in den verästelten Strukturen aus MDF, die ihm als Träger für Fotografien und Skulpturen dienten. Oder in verschiedenen Serien von eingeritzten und verklebten Fotogrammen und Scans, wo die Linien verschiedene Symbole und Motive verbanden.
Die Steinformationen in Joshua Tree sind gemäss Untersuchungen über 80 Millionen Jahre alt. Der versuchte Eingriff im Namen der zeitgenössischen Kunst liest sich wie ein ironischer Kurzschluss dieser Konzeption von Zeit. Am Schluss des Videos bietet sich dasselbe Bild wie am Anfang; eine fast fotografische Anordnung der Landschaft, die nichts von der Intervention der beiden Künstler vermuten lässt. Und auch hier lässt sich eine feinsinnige Allusion herauslesen: In den letzten Jahren hat sich Marti, der Fotografie studierte, mehr und mehr von dem klassischen Genre entfernt, um gestischer, konzeptueller und installativer zu arbeiten. Dennoch ist die Fotografie ein wichtiges und immer wiederkehrendes Medium geblieben.
Karolina Dankow