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Porträt einer Familie aus Neuenburg
  • Josef Reinhard
  • Porträt einer Familie aus Neuenburg, 1799

  • Öl auf Leinwand
  • 79.5 x 112.5 cm
  • signiert und datiert unten links: "Reinhard fecit 1799"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 62x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,799
  • Jahr bis: 1,799
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography

Das Interesse Reinhards am Porträt zieht sich durch sein ganzes Oeuvre. Es ist im Auftrag für die Ausmalung der Kirche Entlebuch ein erstes Mal deutlich und im Auftrag für die Schultheissen-Porträts im Rathaus Luzern kommt das Prinzip der seriellen Porträt-Produktion ein erstes Mal zum Tragen. In der Trachtenserie für Johann Rudolf Meyer gelangte Reinhard zu seinem charakteristischen, die Gesichtszüge stark hervorhebenden Ausdruck. Die Überdimensionierung der Köpfe im Verhältnis zum Körper, die in dieser Serie aufscheint, ist auch mit der Tradition umherziehender Porträt- und Helgenmaler in Verbindung zu bringen, in welcher das Karikaturistische besonders gepflegt wurde. Reinhard nimmt diese Tradition auf, indem er das Besondere der Personen betont und deren Mimik steigert. Doch weil er die Grenze stets präzise auslotet, wo aus dem Witz, der den Bildern augenscheinlich inne wohnt, Spott werden würde, wo aus der realistischen Wiedergabe der Gesichtszüge eine despektierliche Charakterisierung werden würde, erhalten die Gemälde die unverkennbare Handschrift des Künstlers. Reinhard hat das Wesen der Menschen, die er malte, genau erfassen können, doch seine Porträtmalerei ist stets von grossem Respekt getragen; dabei hat er erfahren, dass er Hintergründe und Details, die von der Betonung des Gesichtes ablenken, zurücknehmen oder weg lassen kann. Hände sind deshalb oft unter Kleidern versteckt, oder schematisch als Faust gemalt.

Das Familienbild der unbekannten Neuenburger Familie ist ein für Reinhard typisches Familienporträt, indem er die einzelnen Familienmitglieder wie auf einer Bühne zusammenfügt. Er verwendet für diese Art der Ganzfigurenportäts meist das Querformat, was den Bühnencharakter noch betont. Neben seinem grundsätzlichen Interesse für das Individuelle der einzelnen Personen, kommt in diesem Bild ganz besonders seine Affinität für die Darstellung von Kindern zum Tragen.

Christoph Lichtin