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Ohne Titel (61 Kartonbehälter mit gefundenen Flugzeugen)
  • John M Armleder
  • Ohne Titel (61 Kartonbehälter mit gefundenen Flugzeugen), 1970/1974

  • Karton, Dispersionsfarbe und Papier
  • 7.5 x 140 x 110 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 180w
  • © John Armleder
  • Jahr von: 1,970
  • Jahr bis: 1,974
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography

Mit den aus verschiedenfarbigen Papierstücken gefalteten gesammelten Flugzeugen gibt John M Armleder einem eigentlichen Wegwerfprodukt – das Papierflugzeug wird in die Luft geworfen, durch das gewöhnliche, unprätentiöse Material und die simple Machart ist es zum einmaligen Gebrauch prädestiniert – neuen Wert: Jeder der angeblich vom Künstler vorgefundenen Flieger wird in einem eigenen, weiss getünchten Kartonbehälter aufbewahrt und damit als einzigartig präsentiert. So Teil einer installativen Arbeit geworden, die auf dem Fussboden oder auf einem sehr niederen Podest positioniert ist, bekommt jedes für sich unbedeutende, kunstfremde Papierflugzeug das symbolische Gewicht eines seriellen Kunstobjekts, ohne jedoch seine materielle Fragilität preiszugeben. Mit der regelmässigen Anordnung der Behältnisse wird zwar ein bestimmtes Ordnungssystem suggeriert, gleichzeitig jedoch die rektanguläre Geometrie durch den „überzähligen“ Kartonbehälter durchbrochen. Dieses Arrangement ist vom Künstler vorgegeben; aber ebenso wenig wie der genaue Landeort von leichten Papierfliegern im Voraus abgeschätzt werden kann, sind die bunten Flugzeuge in ganz bestimmter Abfolge ausgestellt – Kalkül und Zufälligkeit halten sich in vorliegender Installation demnach die Waage.

Armleder greift in mehreren Arbeiten das Thema des Sammelns, Aufreihens und Ordnens gefundener Materialien auf. Damit fokussiert er immer auch auf das Prozesshafte des künstlerischen Werks. In der Assemblage von Papierfliegern in Kartonbehältern wird darüber hinaus seine Vorliebe für Multiples, Second-Hand-Objekte und Ready-Mades (vgl. Furniture Sculpture KML 86.38:1-3w) und allgemeiner für das kunstgeschichtliche Zitat deutlich. Hier wird über den Werkstoff des herkömmlichen Papiers beispielsweise auf die Arte Povera Bezug genommen. Mit dem die vorliegende Arbeit prägenden alltäglichen und prozessualen Gestus knüpft Armleder nicht zuletzt an sein frühestes künstlerisches Schaffen im Geiste der Fluxusbewegung der 1960er Jahre an, die Kunst und Leben in ein unmittelbares Verhältnis zueinander zu stellen versucht hat.

Isabel Fluri