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Legende Rudolf von Habsburg
  • Jost Schiffmann
  • Legende Rudolf von Habsburg, 1857

  • Öl auf Leinwand
  • 118.5 x 198.3 cm
  • signiert und datiert unten rechts: "Jost. Schiffmann München 1857."
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 335x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'857
  • Jahr bis: 1'857
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Das Historienbild zeigt eine der zentralen Legenden, die sich um den Stammvater der Herrscherdynastie der Habsburger, Rudolf von Habsburg (1218-1291), bildete. Sie ist seit dem 14. Jahrhundert bekannt und bezieht sich auf die Begebenheit, als Rudolf – noch als Graf – bei einem reissenden Bach mit einem Priester zusammentraf, der das Allerheiligste bei sich trug. Dieser wollte zu einem Sterbenden gelangen, um die Sakramente zu sprechen. Der Weg über den Bach war jedoch versperrt, da die Brücke durch einen Sturm zerstört war. Gemäss Legende sprang der Graf aus Ehrfurcht vor dem Leib Christi vom Pferd und bot es dem Priester an, damit dieser den Bach überqueren und wie geplant zum Sterbenden gelangen konnte. 1273, kurze Zeit nach diesem Zusammentreffen, wurde Rudolf zum deutschen König gewählt. Die Begegnung mit dem Priester und dem Corpus Christi wurde als Beleg für die göttliche Legitimierung ausgeschmückt und dies nicht nur für Rudolfs Herrschaft, sondern auch für seine Nachkommen. Die Aufzeichnung der Legende findet sich in Aegidius Tschudis ‚Chronicon Helveticum’ (1734-36).

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Thema außerordentlich beliebt. Die fromme Tat des Grafen, seine Ehrerweisung gegenüber dem Sakrament und seine Rücksicht auf die Diener der Kirche entzückte die Frommen und diente als Beispiel eines vorbildlichen Herrschers. Seine Tatkraft in der Wiederherstellung der Reichsordnung nach drei kaiserlosen Jahrzehnten sowie seine Begründung einer bis in die Gegenwart wirkenden Herrscherdynastie machten ihn aber auch zu einer Identifikationsfigur im Kampf gegen Napoleon. So sind mehrere Gemälde ab dem frühen 19. Jahrhundert mit diesem Thema bekannt, etwa jenes des Nazareners Franz Pforr, 1809/10 (Städel Frankfurt), oder von Johann Nepomuk Hoechle (Österreichische Galerie im Belvedere).

Schiffmann stellt den Moment dar, als der Priester das Pferd bereits bestiegen hat und sich die Gruppe auf die Überquerung des Baches begibt. Die Dramatik des Ereignisses wird durch die Stellung der Bäume verstärkt, die sich bedrohlich gegen die Szenerie richten. Im Hintergrund ist eine mittelalterliche Burg zu sehen. In diesem Historienbild kann Schiffmann verschiedene Interessen und Fähigkeiten vereinen. Einmal versteht er es die Landschaft als dramatische Szenerie darzustellen. Für die Bekleidung der mittelalterlichen Personen konnten ihm die historischen Kenntnisse dienen und für die Darstellung der mittelalterlichen Burg seine Fähigkeit als begeisterter Architekturzeichner. So vermag er das grosse Format ohne Schwierigkeiten zu bewältigen, indem er die einzelnen Bildaspekte zu einem spannungsvollen Ganzen fügt.

Christoph Lichtin