deutschenglisch
Grosser Lidschatten
  • Andreas Gehr
  • Grosser Lidschatten, 1980

  • Metall und Polyester
  • 31 x 591 x 50 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern, Schenkung des Künstlers
  • Inv.-Nr. 2007.3w
  • © Andreas Gehr
  • Jahr von: 1'980
  • Jahr bis: 1'980
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur

Mit fast sechs Metern Länge legt sich Andreas Gehrs "Grosser Lidschatten" wie ein kraftvoller schwarzer Pinselstrich über den Boden. Der Stahlträger ist in der Länge gefaltet und liegt auf zwei Kanten auf dem Boden auf, so dass die fast rechtwinklige Figur ein Stück Raum unter sich einschliesst. Auf der einen, gegen Ende schmaler werdenden Seite ist der Träger leicht gegen oben gebogen, was der Skulptur eine sanfte Spannung verleiht. Durch die Biegung hebt sich der Stahl an diesem Ende vom Boden ab und erscheint dadurch leichter. Gehr belässt das Material nicht in seiner natürlich-rohen Beschaffenheit, sondern beschichtet es mit Polyester. Die matte, bläulichschwarze, lichtschluckende Oberfläche gibt dem Träger ein samtweiches Aussehen. Die harte Präsenz des kantigen Stahlträgers steht so in einem Gegensatz zu seiner optischen Wirkung.

Der Werktitel "Grosser Lidschatten" weckt verschiedene Assoziationen: Schatten wirft der Stahlträger lediglich in jenem kurzen Teilstück, das sich vom Boden abhebt. Ansonsten bleibt dieser gewissermassen vom Werk selber verdeckt. Schattenwerfer und Schattenwurf verbinden sich zu einer Einheit. Der "Lidschatten" ist, wie der Name schon sagt, somit selber Schatten. Doch zu jedem Schatten gehört unabdingbar immer auch eine Lichtquelle. Insofern scheint Gehr mit seinem Werk auch spezifisch auf den musealen Raum zu verweisen, wo das Werk durchs Oberlicht beleuchtet wird. Doch handelt es sich hier nicht um einen einfachen Schatten, sondern um einen grossen Lidschatten. Das Objekt in seiner Gesamtheit zu betrachten bedeutet, den Saal in seiner ganzen Länge zu durchschreiten. So wie ein gewöhnlicher Lidschatten die Grösse und Präsenz schöner Augen hervorheben kann, betont Gehrs "Grosser Lidschatten" die Dimension des Raumes mit den sich darin befindenden Objekten und Personen, die unweigerlich zu diesem in Verhältnis stehen. Auf diese Weise werden formale Aspekte mit inhaltlichen in Verbindung gebracht.

Fabienne Sutter