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Versteinerte Tänzerinnen
  • Max von Moos
  • Versteinerte Tänzerinnen, um 1936

  • Tempera und Öl auf Karton, auf Pavatex
  • 69 x 52 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 99x
  • © Peter Thali, Luzern
  • Jahr von: 1,931
  • Jahr bis: 1,941
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography

Die Motivwelt von Max von Moos kreist bis zu Beginn der 1930er Jahre um maskenartige, skurrile Köpfe, um Fabeltiere, um flache fantastische, zum Teil der kindlichen Welt verwandten Kompositionen mit Zauberern oder Märchenfiguren, die teilweise aus der Bildwelt von Paul Klees Frühwerk entspringen. Ab 1933 beginnt er mit dem Malen von "steinernen" Bildern. Dazu zählt auch das um 1936 entstandene Werk "Versteinerte Tänzerinnen", auf dem eine kompakte Gruppe, bestehend aus vier Frauenfiguren, zu sehen ist.
Durch die symmetrische Anordnung der Figuren erinnert das Bild an einen antiken, sich fortsetzenden Figurenfries auf einer Reliefwand. Die Frauen sind jedoch nicht streng in einer Reihe angeordnet. Vielmehr sind sie gestaffelt postiert. Als Tänzerinnen erwecken sie den Anschein auf einer Bühne zu stehen. Sie gestikulieren mit den Händen als wollten sie sich abwenden. Ein schwarzer Hintergrund umschliesst die Frauengruppe zum Relief. Es scheint, als würden die Figuren im Augenblick des Anblicks der Schlange zu gefangenen Wesen und so ihrer Bewegungsfreiheit beraubt. Das Steinerne einerseits kommt durch die Farbwahl zum Ausdruck: Ocker-, Grau- und Brauntöne herrschen vor, stellenweise ein stumpfes Orange. Andererseits wird das Gefangensein durch eine Lackschicht, die die Bildoberfläche verschliesst, unterstützt.
Von Moos bedient sich hier einer neuen Bildform: Der Fragmentierung antikischer Skulpturen. Im 1937 gemalten Bild "Toledo" (Privatbesitz), das eine grosse Verwandtschaft mit den "Versteinerten Tänzerinnen" aufweist, greift Max von Moos die neue Bildform wieder auf und macht durch den Bildtitel einen zeitgeschichtlichen Bezug, wobei er sich auf den Belagerungskampf um den Alcazar von Toledo (1936) im Spanischen Bürgerkrieg bezieht. Im Werk "Toledo" stehen ebenfalls vier fragmentierte Steinskulpturen – die Figur ganz rechts ist mit einem Pferdekopf versehen – dicht gedrängt zusammen und bilden einen Fries. Sie heben sich ebenfalls vom schwarzen Hintergrund ab.
In der Literatur wird das Bild der "Versteinerten Tänzerinnen" oft als Vorläufer zu den "Paraden", die im Werk von Max von Moos in den 1960er Jahren besonders häufig vorkommen, angesehen. Unter den "Paraden" (Begriff von Fernand Léger) ist eine Werkgruppe zu verstehen, die das Motiv von drei bis sechs eng nebeneinander stehenden Figuren zeigt, die durch ihre Position am vorderen Bildrand, den Eindruck einer undurchdringbaren Mauer erwecken.

Cornelia Ackermann