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Idyllische Landschaft
  • Johann Gottfried Steffan
  • Idyllische Landschaft, 1871

  • Öl auf Holz
  • 42.6 x 33.6 cm
  • signiert, datiert und bezeichnet unten rechts: "J.G. Steffan pt* 1871/München"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 40x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,871
  • Jahr bis: 1,871
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Die steile Felswand links und das dichte Blattwerk rechts versperren in Steffans „Idyllischer Landschaft“ den Blick in die Ferne und schaffen einen hohen Horizont. Das kleine Dreieck Himmel, welches zu sehen bleibt, leuchtet dafür in umso strahlenderem Blau. Diese Form des Dreiecks wird in den ebenfalls heller gestalteten Steinen im linken Vordergrund spiegelverkehrt nochmals aufgenommen, ansonsten ist die "Idyllische Landschaft" eher in dunklen Farben gehalten. Die Kante des Felsens links und der Baumstamm rechts vereinen sich zu einer prägnanten diagonalen Linie, in deren Achse im rechten Vordergrund, im Schatten des dunklen Gehölzes, ein Pan sitzt.

Der gewählte Bildausschnitt entspricht den Prinzipien der „paysage intime“, bei welcher klar eingegrenzte und überschaubare Bildausschnitte gewählt werden, die im Grunde unspektakulär, dafür aber „intim“ sind. Diese aus Frankreich kommende Strömung der Landschaftsmalerei stösst in München ab den 1860er Jahren vermehrt auf Interesse, wobei Steffan künstlerischen Entwicklungen gegenüber grundsätzlich eher verhalten bleibt. Mit der integrierten Darstellung des mythologischen Pans stellt diese als "idyllisch" betitelte Landschaft eine Ausnahme in Steffans Werk dar. Das seltsame Auftauchen der mythologischen Gestalt liesse sich vielleicht mit seiner Bekanntschaft zu Arnold Böcklin erklären, welcher als mittelloser Künstler 1858 in Steffans Atelier Aufnahme findet. Böcklin distanziert sich von der Landschaftsmalerei wie sie Steffan pflegt, indem er seine Landschaften symbolisch auflädt und mythologischen Wesen eine zentrale Rolle zuspricht. Im selben Jahr, in dem Böcklin in München ist, 1858, entsteht sein Bild „Pan im Schilf“ (Neue Pinakothek München). Steffans „Idyllische Landschaft“ kann als später Kommentar zu den Arbeiten des inzwischen erfolgreichen Böcklin verstanden werden.

Im Gegensatz zu Böcklin ordnet Steffan seinem Pan eine dezentrale Position im Bild zu und gibt ihm eine relativ unscheinbare Grösse. Das monochrome rotbraune Kolorit, Komplementärfarbe zum dunkelgrünen Dickicht, verleiht der Figur den Charakter eines unnatürlichen, ins Bild gesetzten Fremdkörpers, lässt sie zugleich jedoch aufgrund der übereinstimmenden Farbstärke beinahe im Dickicht verschwinden. Steffans Pan behält dadurch die Funktion einer Staffagefigur bei, er wird nicht wie bei Böcklin eindeutig als Inhaltsträger in die Landschaft integriert.

Indem Steffan seinen mythologischen Pan so offensichtlich zurückdrängt, distanziert er sich auf kühne Weise von Böcklins Bildkonzept. Der beinahe im Dickicht verschwindende Pan entspricht Steffans Auffassung, dass zeitlose figürliche Darstellungen nicht notwendig sind, um idyllische Landschaften zu präsentieren. In Steffans Augen ist die wahre Idylle eines Bildes alleine in der Natur zu finden.

Seraina Werthemann