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Landschaft im Haslital mit Aare, Nachmittagsstimmung
  • Alexandre Calame
  • Landschaft im Haslital mit Aare, Nachmittagsstimmung, 1857

  • Öl auf Leinwand
  • 101.5 x 152.5 cm
  • signiert und datiert unten rechts: "A. Calame 1857"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 86.39x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,857
  • Jahr bis: 1,857
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Laut Arnold Böcklin, der 1848 für wenige Monate Calames Schüler gewesen ist, lassen sich die Bilder seines Lehrers auf zwei Kompositionsprinzipien zurückführen: Auf diejenigen der Lichtverteilung und der Farbe. "[…] oben ein Licht in der Luft, das über die fernen Bergspitzen herabgeführt ist. Dagegen eine dunkle Masse, etwa ein Wald. Vorn dagegen eine Wiederholung des Lichtes […] Eine blaue duftige Felswand, darüber der blaue Himmel mit einzelnen weissen Wolken und Dunststreifen. Vorn und etwas nach hinten jedoch malt er warm beschienen (orangenfarben-warm) Kiefern, Pinien oder Fichten", wird Böcklin in den Tagebuchaufzeichnungen von R. Schick zitiert.

Das vorliegende Gemälde ist in mancherlei Hinsicht als typischer Calame aufzufassen. Der Vordergrund ist detailliert durchgestaltet und wird durch eine mächtige Baumgruppe auf der rechten Bildseite dominiert. Die "dunkle Masse" dieser mächtigen Laubbäume hebt sich – ganz dem von Böcklin genannten Kompositionsprinzip folgend – eindrucksvoll von dem hell beschienenen Hintergrund ab. Eine Art Trampelpfad führt den Blick des Betrachters auf das Zentrum des Gemäldes hin. Der Aussichtspunkt gewährt freie Sicht auf die weiter unten ruhig dahinfliessende Aare und auf den "lichterfüllten Gipfelpathos" (P. Wegmann) im Hintergrund. Die kleinen Figuren, eine junge Frau mit zwei Ziegen, befriedigen das Verlangen des Kunstpublikums des 19. Jahrhunderts nach Belebung der Landschaft. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit wird das Licht der bereits ziemlich tief liegenden Nachmittagssonne sichtbar gemacht und die Landschaft erstrahlt in warmen Braun- und Orangetönen. Als Komplementärfarbe zu den Ockertönen im mittleren Vorder- und linken Hintergrund wirkt das kräftige Himmelsblau in der rechten oberen Ecke. Es verleiht dem Gemälde einen Hauch von Frische, was massgeblich zur harmonischen Gesamtwirkung beiträgt.

Das Gemälde, das Calame rückseitig selbst mit "Souvenir de l'Oberland Bernois, Effet de l'aprés-midi" beschreibt, weckt Erinnerungen an Claude Lorrain und dessen arkadische Landschaften im Abend- oder Morgenlicht. Nachdem Calame auf seiner Italienreise 1845 das Werk des französischen Klassizisten kennen gelernt hat, nimmt das Kolorit und das Licht in seinen Gemälden eine merklich wärmere Qualität an, was auch auf diesem für den Grossfürsten Michael von Russland gemalten Landschaftsbild deutlich wird.

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