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Spazio Umano IV, aus der Serie Art is the better life
  • Urs Lüthi
  • Spazio Umano IV, aus der Serie Art is the better life, 2007

  • Bronze mit Holzsockel, Guss Nr. 2/3 + 1 E.A.
  • 163 x 50 x 50 cm (mit Sockel)
  • Kunstmuseum Luzern, Ankauf ermöglicht durch die Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr
  • Inv.-Nr. 2009.74w
  • © Urs Lüthi
  • Jahr von: 2'007
  • Jahr bis: 2'007
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur

Mit den Bronzeköpfen, die Lüthi ab 1989 giessen lässt, widmet sich der Künstler erneut dem Selbstporträt und zwar in einem Medium, das für manche etwas aus den Jahren gekommen zu sein scheint, für Lüthi selbst aber folgerichtig ist. Die Darstellung des Künstlers als Zeitgenosse und die Ausführung des Porträts im historistischen Gewand der Bronze schaffen eine vermeintliche Kluft zwischen Inhalt und Form. Doch genau diese Gegensätzlichkeit trifft einen Kern von Lüthis Kunst, denn das Individuelle (hier der persönliche Ausdruck) und das Allgemeine (hier der Porträtkopf als öffentliche Denkmalkunst) gehören für ihn immer zusammen.

Nach den hyperrealistischen Figuren zu Beginn des neuen Jahrhunderts hat Lüthi mit seinen jüngsten Bronzefiguren zu einer ganz aussergewöhnlichen Verortung seines Werkes in der Kunstgeschichte des vorangegangen Jahrhunderts gegriffen. Plastiken wie „I’d Like to Be a Cubist Sculpture“ oder die Serie der Spazio Umano-Figuren haben durchaus eine nostalgische Note. Mit diesen Setzungen fordert der Künstler – vergleichbar etwa mit dem deutschen Künstler Thomas Schütte – subtil eine Auseinandersetzung um ästhetische Fragestellungen ein, die zurzeit kaum ein zentrales Anliegen der Kunstwelt sind. Es sind darum nostalgisch zu nennende Skulpturen, weil Lüthi sie mit einer schmunzelnden Wehmut, aber ohne jegliche Ironie den grossen Fragen der Kunst widmet. Mit seinen kleinen Denkmälern ruft er in Erinnerung, dass die „Problems of Form and Expression in Modern Art“, so eine 1994 herausgegebene Publikation Lüthis, auch im 21. Jahrhundert anzugehen sind.

Unmittelbare Vorläufer dieser vielarmigen und mehrbeinigen Skulpturen sind übereinandergelegte Videostills, die den Künstler in Bewegung zeigen. Er dreht sich um sich selbst, tanzend und mit den Armen die Reichweite, oder im umfassenderen Sinn, den menschlichen Raum ausmessend. Neben der Ausführung als Einzelfiguren existiert auch eine Variante mit Raummodellen. Hier ist die Figur der Betrachter und Vermesser des Raumes.

Christoph Lichtin