deutschenglisch
Un jeu
  • Sonja Sekula
  • Un jeu, 1943

  • Öl auf Leinwand
  • 76.3 x 63.5 cm
  • signiert, datiert und bezeichnet unten rechts: "SEKULA 1943/Un Jeu"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 520x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'943
  • Jahr bis: 1'943
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Das im Jahr 1943 entstandene Ölgemälde "Un jeu" (KML 520x) gliedert sich in mehrere, aufeinander gelegte Ebenen, die sich in Grösse, Form und Farbe unterschiedlich gestalten: Der untersten Ebene der weissen Leinwand folgt eine mittlere in hellblauer Farbe, worauf die oberste die eigentliche Darstellung beinhaltet und im Inneren des Bildes angesiedelt ist. Die oberste Bild-Schicht gewährt einen Einblick durch alle drei Ebenen, indem die sichtbare Leinwandstruktur bloss gelegt wird. Auf dieser letzten Fläche sind verschiedene Farbbahnen mit ungegenständlichen Figuren abgebildet. Durch Schichtung der einzelnen Felder ergibt sich ein Doppelrahmen; es entsteht ein Bild im Bild. Zusätzlich betonen der teils pastose Farbauftrag und die kräftige Farbgebung das Aus- und Abgrenzen der Flächen und Bildelemente. Unten rechts, in schwarzer Ölfarbe auf weissem Grund, ist der Titel "Un jeu" als wesentlicher Bestandteil des Gemäldes mit Signatur und Datum hingemalt und lädt die Betrachtenden zu einer assoziativ spielerischen Auseinandersetzung mit dem Dargestellten ein.

Dem kreativen Prinzip des Automatismus entsprechend lehnt Sekula eine feste Bildwelt ab und setzt die isolierten, in scheinbar keinem Zusammenhang stehenden Gestalten – Spielfiguren gleich – assoziativ und willkürlich auf die oberste Bildebene. Im Zentrum der Darstellung befindet sich ein sonnengelber Kreis, aus dessen Mittelpunkt rote, an eine Ameise oder Gottesanbeterin erinnernde Linien ausstrahlen. Darüber schweben auf der freigelegten Leinwand beinahe bedrohlich wirkende vogelähnliche Flugobjekte. Auf der untersten, hellblauen Farbbahn könnte sich eine Stadtlandschaft ausbreiten. Die Künstlerin spielt mit verschiedenen rätselhaften Motiven, die frei zusammengesetzt und gedeutet werden können. Der Betrachtende wird somit zum aktiven Teilnehmer des Spiels und durchläuft einen schöpferischen Prozess.

Mit der isolierten Darstellung der Gestaltungselemente wie auch der unregelmässigen Form der obersten Bildschicht, die an ein Stück Papier, Zettelchen, erinnert, bildet Sekula die Basis, auf die sie später in den "Meditationsschachteln" bzw. "Meditation Boxes" (KML 2005.27w) zurückgreift und weiterentwickelt.

Barbara Hatebur