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Waldinneres
  • Hans Emmenegger
  • Waldinneres, 1938

  • Öl auf Leinwand
  • 119.4 x 70.5 cm
  • signiert und datiert unten links: "HANS EMMENEGGER 38."
  • Inv.-Nr. D 53x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,938
  • Jahr bis: 1,938
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Das Gemälde „Waldinneres“ wird 1938 von der eidgenössischen Kunstkommission in Auftrag gegeben und im Rahmen eines Unterstützungsbeitrages 1939 vom Bund erworben, der damit zugleich einen bescheidenen finanziellen Beitrag an den von Geldnöten bedrängten Emmenegger leistet. Gleichzeitig ist dies auch eine Wertschätzung von Emmeneggers jahrelangem Engagement in kultur- und kunstpolitischen Angelegenheiten.

Die Waldbilder mit ihren für Hans Emmenegger charakteristischen starken Licht-Schatten-Kontrasten gewähren Einblicke ins Waldesinnere aus nächster Distanz. Sie spielen im Gesamtwerk Emmeneggers eine nicht unwesentliche Rolle: Es sind Gemälde, die nicht die Schönheit und Vielfalt der Natur zelebrieren, sie machen vielmehr Emmeneggers Hang zur Melancholie und Einsamkeit spürbar, eine Grundstimmung, die auch im Bild "Waldinneres" zum Ausdruck kommt.

Im Bildvordergrund windet sich ein dünnes, kahles Bäumchen in zwei sonderbaren Drehungen (Verrenkungen) in die Höhe. Dieses wird wie die beiden leicht zurückversetzten körperhaften Baumstämme stellenweise von der Sonne beschienen. Die waagrecht abstehenden Aststümpfe und deren kurze Schlagschatten fallen auf. Ansonsten weisen die Stämme keine organischen Verletzungen oder Verknotungen auf. Die grell beleuchteten Stämme kontrastieren mit den ganz im Schatten und im Hintergrund stehenden Baumgruppen, die zugleich nur vage den Blick in das gespenstisch anmutende, undurchdringliche Waldesinnere freigeben. Abgesehen von ein paar Moospölsterchen bleibt der Waldboden vegetationslos, ohne Unterholz und Gebüsch. Wie in anderen Waldstücken fehlen Spuren von Zivilisation. Durch die eigenartige Lichtführung erhält die Komposition etwas Irreales und Künstliches. Die Stimmung ist kühl, distanziert und schwermütig. Emmeneggers Lebensgefühl, das zwischen Skepsis und der Furcht vor dem Scheitern schwankt, kommt hier deutlich zum Ausdruck.

Ein Jahr später malt Emmenegger sein letztes Waldbild „Besonnte Stämme“ (Inv. Nr. GH 85.41x). Bereits während seiner Entstehungszeit ist er gesundheitlich angeschlagen. Nach einem kurzen Spitalaufenthalt stirbt er 1940 in Emmenbrücke.

Cornelia Ackermann