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Hafen von Barcelona
  • Maurice Barraud
  • Hafen von Barcelona, ohne Jahr

  • Öl auf Leinwand
  • 55.5 x 65.2 cm
  • signiert unten links: "Barraud"
  • Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur, Bern
  • Inv.-Nr. C 29x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,924
  • Jahr bis: 1,930
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Maurice Barrauds zahlreiche Reisen in den Süden haben ihn mehrere Male nach Barcelona geführt. Zwischen 1924 und 1930 sind insgesamt etwa 15 Ansichten des Hafenbeckens – teilweise vom identischen, leicht erhöhten Standpunkt aus – entstanden. Häufig führt ein schmaler Promenadenstreifen, gegliedert durch Palmen und Laternenpfähle, ins Bild hinein, während die Hafenmole die Ansicht gegen hinten abschliesst.

Auch das vorliegende Gemälde folgt diesem Schema. Während andere Ansichten den Hafen jedoch geschäftiger zeigen und mit zahlreichen Schiffen, vielen rauchenden Schornsteinen und einer lebendigen figürlichen Staffage ausgestattet sind, macht die leicht von oben wiedergegebene Szenerie hier einen ausgesprochen ruhigen Eindruck. Nur wenig Schiffe haben an den Quaimauern angelegt und Besatzungsmitglieder sind keine zu entdecken. Lediglich zwei Segelboote bewegen sich ruhig durch das grosszügig angelegte Hafenbecken. Ein deutlich rechtwinklig angelegtes Raster von horizontalen (Quai- und Molemauern, Schiffe sowie Horizontlinie) und vertikalen Linien (Palmen, Masten und Schornsteinen) verstärkt den Eindruck der Ruhe und erzeugt eine gewisse Statik. Diese wird lediglich durch die kurze Diagonale am rechten Bildrand durchbrochen.

Genau diese mittägliche Atmosphäre der Ruhe hat Barraud beeindruckt. In seinen Reisenotizen beschreibt er, wie die Maschinen am Hafen zur Mittagszeit verstummen und sich eine schwere Stille über den Hafen senkt, während die mittägliche Sonne den Farben des Meeres eine spezielle Klangfülle verleiht. "[…] il tombe sur le port une lourde accalmie, et sous un pan vertical du ciel c'est une halte de vie. – Tout remuement a cessé, les machines laissent entendre le silence. Un soleil est au faîte du jour et cette lumière plombe la mer et donne aux choses une étrange sonorité de couleur." (Maurice Barraud, Barcelone et Ailleurs, Lausanne, 1930, S. 38.)

In dünnem, skizzenhaftem Farbauftrag komponiert Barraud das Gemälde in Hellblau und Türkis sowie in ockerfarbenen Tönen. Ein schmutzig wirkender Dunstschleier liegt über der Szenerie und der Horizont mit einer schmalen Himmelspartie ist in hellem Braun-Grau wiedergegeben. Die in klareren Grüntönen gemalten Palmen im Vordergrund verdeutlichen luftperspektivisch den räumlichen Eindruck und sind in diesem Sinne klassische Repoussoirmotive. Dahinter spiegelt sich die Mittagssonne in einem gleissend hellen Rechteck. Überhaupt ist das Licht in Barrauds mediterranen Landschaften allgegenwärtig. Die Bilder zeigen eine durchsonnte, heitere Welt, voller Sehnsucht und "Mittelmeersinnlichkeit" (Franz Meyer), die den Betrachter zum Träumen einladen.

Regine Fluor-Bürgi