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Bildnis einer Unbekannten
  • Ferdinand Hodler
  • Bildnis einer Unbekannten, 1895

  • Öl auf Leinwand
  • 42 x 38 cm
  • signiert und datiert unten Mitte: "1895 F. Hodler"
  • Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Gottfried Keller-Stiftung, Bern
  • Inv.-Nr. E 67x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,895
  • Jahr bis: 1,895
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Das von Ferdinand Hodler in das Jahr 1895 datierte Gemälde "Frauenbildnis" zeigt eine junge Frau in einem weissen Kleid. Über die Schultern ist ein schwarzer Mantel mit einem hohen Kragen gelegt, der wie ein Gerüst den leicht zur Seite geneigten Kopf trägt. Die rot geschminkten Lippen dominieren das frontal angelegte Gesicht, das fast in der vertikalen Bildachse platziert ist, während das Kinn auf der horizontalen Mitte zu liegen kommt. Anton Müller spricht 1951 von „straffer Parallelität der Bildaufbaus und starker Kontrastwirkung“, die dem Gemälde „den Ausdruck eines monumentalen Kompositionswillen“ verleihe.

Das Original lässt im unteren Bereich deutlich die Spuren einer Übermalung erkennen. Einst hielt die Frau eine mit wenigen Strichen angedeutete Blume in den Händen – Anklänge an die weiblichen Engel in „Der Auserwählte“ aus dem Jahr 1894. 1981 wurde die Dargestellte mit der Schriftstellerin und Tochter des Grafen Louis de Romain in Verbindung gebracht. Die Identität der Porträtierten ist jedoch nicht eindeutig geklärt.

Der erste dokumentierte Besitzer war der Hamburger Sammler Jerôme Friedmann. Dieser war eine der in Kunstdingen fortschrittlich gesinnten Persönlichkeiten, die in Deutschland französische und deutsche Moderne sammelten. Friedmann vereinigte in seiner Kollektion neben einer Anzahl von modernen französischen Bildern so bedeutender Meister wie Courbet, Corot, Pissarro und Daubigny vor allem deutsche Impressionisten und Secessions-Künstler und reihte in diese auch Hodler-Gemälde ein. Friedmann musste das Gemälde wegen finanzieller Probleme 1912 erstmals versteigern lassen, was offensichtlich misslang. Ein nachträglicher Bericht in der Neuen Zürcher Zeitung am 7. November 1912 wies auf die Auktion und mehrere Hodler-Gemälde hin, das Frauenbildnis blieb allerdings unerwähnt. 1916 wurde es erneut bei Lepke in Berlin – nun aus dem Erbe des 1913 verstorbenen Sammlers – angeboten. Danach verliert sich die Spur bis das Gemälde durch den Kunsthandel 1950 der Gottfried-Keller-Stiftung angeboten wurde.

Matthias Fischer