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I SAW HIM OVER THERE
  • James Lee Byars
  • I SAW HIM OVER THERE, 1978/1986

  • Gravur, vergoldet auf Granit
  • 137.5 x 253 x 2.8 cm
  • signiert verso, mit Gravur, vergoldet: "BY 78"
  • Kunstmuseum Luzern, Schenkung Sammlung Toni Gerber
  • Inv.-Nr. 2009.32w
  • © Estate of James Lee Byars, Courtesy Galerie Michael Werner Berlin, Köln und New York
  • Jahr von: 1,978
  • Jahr bis: 1,986
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography

1978 findet in der Berner Kunsthalle die von Johannes Gachnang kuratierte Einzelausstellung „The Exhibition of Perfect“ von James Lee Byars statt. Unter anderem werden die Werke “I SAW HIM OVER THERE”, „THE PERFECT AUDIENCE (IS TO TURN AROUND)“ (KML 2009.33w) und „STEPPING OVER THE STONE IS MYSTIC“ (KML 2009.64w) präsentiert. Die gleichnamigen sich in der Sammlung des Kunstmuseums Luzern befindlichen Marmorplatten sind Repliken von 1986. Die formal einfachen, viereckigen Platten aus weissem, schwarzem oder farbigem Marmor enthalten eingravierte und vergoldete Druckbuchstaben. Diese können ganze oder fragmentierte Sätze, bisweilen auch nur einzelne Worte bilden, die sogar als Abkürzung gelesen werden müssen. In der Ausstellung werden mehrheitlich Skulpturen gezeigt, die sich zwar formal am Minimalismus orientieren, jedoch in beinahe klassischem Sinn präsentiert werden und nach Sockeln verlangen. Die grösseren, meist aus Marmor bestehenden Werke werden auf weissen Kisten aus Satin, kleinere Objekte in speziell dafür angefertigten Vitrinen ausgestellt. 2013 während der Ausstellung „Neunzehnhundertsiebzig. Die Sammlung Toni Gerber“ im Kunstmuseum Luzern wurden die beiden Platten „I SAW HIM OVER THERE“ und „THE PERFECT AUDIENCE (IS TO TURN AROUND)“ ohne Sockel, Kissen oder ähnliches, direkt auf dem Boden stehend und an die Wand gelehnt präsentiert.
Anhand dieser Serie von Platten Ende der 1970er Jahre offenbart sich ein Wandel in Byars’ Œuvre. Nebst der sinnlichen Wahrnehmung eines inszenierten Augenblicks, werden nun auch die Fragen nach Raum, Skulptur und Material neu gestellt. Während frühere Werke als Teil einer Handlung oder einer Geste entstehen, können die Arbeiten nun vielmehr auch als Kunstwerke im 'traditionellen Sinn' begriffen werden. Durch den Gebrauch von beständigem (Edel-) Material ab Mitte der 1970er Jahre – mit wachsender Intensität ab 1987 – wendet sich Byars Skulpturen zu, die Ewigkeitswert besitzen. Das Vollkommene findet sich für ihn dabei nicht in der materiellen Vollkommenheit, sondern in der Suche danach. Inspiration für seine meist bildlosen Formen erhält er während seiner Aufenthalte im Ausland durch die gebotenen Werkstoffe vor Ort, wie in Griechenland durch den besonderen, weissen Marmor von der Insel Thasos oder in Bern durch das von Sandstein geprägte Stadtbild. Während die nunmehr 'traditionellen' Skulpturen auf mehr Resonanz im Kunstmarkt stossen, versucht sich Byars noch immer der kommerziellen Seite der Kunst zu entziehen. Insbesondere mit dem für seine Skulpturen verwendeten Material reiht er sich in eine Folge verschiedener klassischer Bildhauer und nimmt insofern eine geradezu 'archetypische' Position innerhalb der bildenden Kunst ein. (Vgl. KML 2009.36w; KML 2009.37w) Diese bricht er jedoch wieder auf: Anleihen an die traditionellen Vorläufer setzt er überraschend ein und bewegt sich in seinen Werken stets an der Grenze zwischen Ephemerem und Materialisiertem.