deutschenglisch
Ohne Titel
  • Olivier Mosset
  • Ohne Titel, 1982

  • Acryl auf Leinwand
  • 140 x 280 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 86.55x
  • © Olivier Mosset
  • Jahr von: 1'982
  • Jahr bis: 1'982
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

An der X. Biennale de Paris von 1977 präsentiert Mosset eine beinahe monochrome rote Leinwand, welche nur mit feinen, parallel verlaufenden Bleistiftlinien durchzogen ist. Die aus der Distanz kaum wahrnehmbaren Striche sind noch die letzten Zeichen von Mossets Auseinandersetzung mit dem Motiv des Streifens, das ihn seit 1972 beschäftigt hat. Die Präsentation in Paris ist für die kommende künstlerische Laufbahn von zentraler Bedeutung, da sie auf konzeptionellen sowie auf thematischen Überlegungen beruht. Das dort gezeigte auf einem Keilrahmen aufgespannte Bild entspricht genau den Massen der Wandfläche auf der es gezeigt wird. Durch die annähernde Verschmelzung von Wand und Malerei ist die Arbeit nur auf den zweiten Blick zu sehen. Hier formuliert der Künstler erstmals seine Gedanken zur Darstellung von Farbe und deren Beziehung zum nächsten Umfeld sowie die Frage was ein Bild respektive ein Objekt ist. So untersucht er in seinem Schaffen, das bis 1985 monochrom bleibt, die Malerei in ihrer ganzen Breite.

Olivier Mossets monochrome Bild „Ohne Titel“ aus dem Jahre 1982 misst beinahe drei Meter. Die rechteckige Leinwand ist auf einen Keilrahmen gespannt und mit einer rosaroten Farbe bemalt. Diese ist ebenmässig aufgetragen, so dass die einzelnen Pinselstriche kaum wahrnehmbar sind. Obgleich es sich beim Luzerner Bild um eine wesentlich kleinere Dimension handelt, taucht auch hier der Betrachter gleich in das Farbenmeer ein. Dies, ohne von einer bestimmten Erscheinung, einer speziellen Lasur oder einem persönlichen Duktus abgelenkt zu sein. Dementsprechend tritt der Autor, der den Auftrag gemacht hat in den Hintergrund. Durch die starke Präsenz der Kolorierung wird diese nicht nur visuell wahrnehmbar, sondern es entsteht eine Art Sogwirkung, die regelrechtes Eintauchen erlaubt. Zugleich ist die Fläche, egal wie gross ihre Ausdehnung ist, klar definiert. Dies geschieht auf Grund der Tatsache, dass die Bildkanten, wie stets bei den Werken von Mosset, roh gelassen sind. So bleibt die Relation zum umliegenden Raum und der architektonischen Situation stets in Bezug.

Mossets zunehmende Beschäftigung mit der monochromen Fläche, die er auf verschiedenen Grössen und den unterschiedlichsten Farben durchexerziert, fällt zeitlich mit seinem Umzug nach New York zusammen. Aufgrund eines in der Zeitschrift Artforum veröffentlichten Artikels von Marcia Hafif, in dem sie Überlegungen zur Grenze in der Malerei und der Monochromie anstellt, nimmt der Schweizer Künstler Kontakt mit ihr auf und schlägt vor, einige Künstler zusammenzubringen, die sich mit ähnlichen Themen auseinandersetzen. So kommt es zu einer lockeren Gruppe von Künstlern, die unter dem Begriff des Radical Painting zusammengefasst werden. Zu ihnen zählen auch Joseph Marioni, Jerry Zeniuk und Günther Umberg. Abgesehen von gegenseitigen Atelierbesuchen finden auch vermehrt Gespräche über die Malerei in der Öffentlichkeit statt. Verschiedentlich werden zwischen 1979 und 1984 Ausstellungen veranstaltet. Zentrales Anliegen der Kunstschaffenden ist, das Werk als ein Objekt zu sehen, das weder einen repräsentativen Charakter hat, noch eine Abstraktion darstellt, sondern in seiner reinen und direkten Form vorhanden ist und nicht über sich hinausweist. Die Tatsache, dass Mosset eigentlicher Initiator dieser Gruppe ist, belegt, dass der Künstler, wie schon mit B.M.P.T, daran interessiert ist seine eigenen Fragestellungen mit anderen zu diskutieren, respektive zu konfrontieren. Dies ermöglicht dem Künstler seine eigene Haltung stets aufs Neue zu hinterfragen und zu überprüfen.

Simona Ciuccio