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Homo Pantographus
  • André Thomkins
  • Homo Pantographus, 1976

  • Filzstift auf Papier
  • 149.5 x 162.5 cm
  • signiert und datiert unten rechts: "A. Thomkins 1976"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 92.37y
  • © 2007, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 1,976
  • Jahr bis: 1,976
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography

Die Arbeit besteht aus mehreren skizzenhaft ausgeführten menschlichen Wesen, die sich von einem Punkt aus in zwei Richtungen zu bewegen scheinen, die formal einen spitzen Winkel bilden: Die von unten links nach oben rechts verlaufenden Bewegungssequenz beginnt mit einer kleinen weiblichen Figur, der ein noch winzigeres Wesen folgt. Die Reihe wird von jeweils grösser werdenden Figuren, aus deren stilisierten Körpern wohlgenährte Säuglinge entspringen, fortgesetzt. Die Umrisslinien dieser Kreationen sind in unpräziser Zeichentechnik ausgeführt und ähneln sich, abgesehen vom Grössenunterschied. Die letzte erkennbare Figur ist ganz an den oberen Bildrand gerückt, eine Zackenlinie verweist auf eine Fortsetzung dieser Entwicklung.

Auch die sich leicht abwärts neigende Achse mit einem einzelnen (männlichen) Wesen, das mit überdimensioniertem zeigendem Arm mehrmals vergrössert reproduziert dargestellt ist, führt über den Bildrand hinaus. Im Vergleich zur oberen Geraden unterscheidet sie sich darin, dass keine neuen Menschen geschaffen und geboren werden. Auf beiden Wegstrecken wird die ursprüngliche menschliche Form durch ihre Vergrösserungen zu undifferenzierten, unbestimmten Geschöpfen.

Präzision und Sorgfalt in der Ausführung zeichnen in der Regel zahlreiche kleinformatige Zeichnungen Thomkins aus. In der Arbeit "Homo Pantographus" fällt sowohl die Blattgrösse als auch die flüchtige Strichführung auf. Der Grund dafür geht auf das Zeichnen mit dem Pantographen zurück, einem Zeicheninstrument, das verkleinert und vergrössert, das reproduziert und im Falle dieser Arbeit die Figürchen zu stets grösseren ansteigen lässt.

Bereits der Titel "Homo Pantographus" enthält eine Anspielung auf den Pantographen (vgl. KML L 86.22w), den Thomkins vor allem 1976 im Zusammenhang mit einer Ausstellung für grossformatige Zeichnungen verwendete. Die Beschriftung steht ganz links und am Anfang der diagonalen Entwicklungslinie. Nimmt man den Bildtitel wörtlich, versteht sich der "Homo Pantographus" als der "pantographenzeichnende Mensch", als der zeichnende Mensch, der neue Menschen schafft. Unmittelbar darunter signiert der Künstler mit „A. Thomkins 1976“. In diesem Zusammenhang stellen sich grundlegende Fragen wie: Ist mit der unteren Figur Thomkins gemeint? Ist er der Homo Pantographus und schafft mit dem Pantographen menschliche Wesen? Oder steht er stellvertretend für alle Künstler, die Neues, Bedeutendes hervorbringen?

Die Arbeit nimmt man auf den ersten Blick als eine Skizze, als einen Entwurf wahr. Je länger man sich damit befasst umso komplexer erscheint sie. Gleichzeitig steht sie auch stellvertretend für Thomkins hervorragende Denk- und Arbeitsweise.

Cornelia Ackermann