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"DOGMA I AM GOD"
  • André Thomkins
  • "DOGMA I AM GOD", 1971

  • Email auf Eisenblech
  • 18 x 70 x 1 cm
  • signiert unten rechts: "a.t."
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 186:6w
  • © 2007, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 1'971
  • Jahr bis: 1'971
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur

André Thomkins ist nicht nur Zeichner, Maler, Objektmacher, er versteht sich auch als Wortkünstler. Nach ihm ist "retroworter" das Wort, das am besten seine schöpferische Arbeit bezeichnet. Seine erfundenen Palindrome und Anagramme, die er mehrsprachig verfasst hat, zeugen von einem genialen, kreativen Umgang mit Buchstaben, Wörtern und Sprachen. Die ersten entstanden 1957. Über Jahre hinweg hat er sich dieser Methode bedient.

Bei Anagrammen geht es um die Umstellung der Buchstaben eines Wortes zu anderen Wörtern mit neuem Sinn. Sie gehen auf antike Sprachmagie zurück und waren beliebt in Geheimschriften, weil sie einen verborgenen Sinn vermitteln konnten. Thomkins jedoch geht es weniger um das Rätselhafte einer Geheimbotschaft als vielmehr um das Spielerische und Kombinatorische. Palindrome sind Wörter oder Sätze, die vor- und rückwärts ohne Bedeutungsveränderung gelesen werden können. Das Faszinierende dabei ist im Vergleich zur Symmetrie des Bildes, die Symmetrie der Sprache oder die symmetrisch gespiegelte Wortschöpfung, wobei sich die zweite Hälfte spiegelbildlich zur ersten verhält.

Für die Eröffnung von Daniel Spoerris Restaurant in Düsseldorf fertigte Thomkins 1968 mehrere Palindrome als Aufschriften von Strassenschildern an, die an der Aussenwand montiert wurden, und die so treffend die Doppelrichtung einer Strasse sprachlich wiedergaben. Spoerri meinte dazu: "Die Ur-Idee kam von "Rue la Valeur" (Wertstrasse). Er (Thomkins) fand es so witzig, dass es eine Strasse gab, die so heisst. Dort kam er auf die Idee mit Schild und Emaille. Dann kam "Lucerne en recul". Luzern eignete sich auch gut als Strassenschild [...] dann ging's an die Arbeit. Das war damals nicht so teuer. Die langen Schilder kosten 100, 150 Mark."

Das Kunstmuseum Luzern besitzt 14 blaue Email-"Strassenschilder", auf die der Künstler mit weisser Farbe Palindrome (sogenannte "Rücklinge") aufgetragen hatte. Dazu gehören beispielsweise "lucerne en recul" (KML 186:4w) (kehrt machend, rückwendig); "oh cet écho!" (KML 186:5w); "DOGMA I AM GOD" (KML 186:6w); "STRATEGY: GET ARTS" (KML 186:13w).

In mehreren Fällen verwendete Thomkins die Palindrome als Bildtitel und Inschriften und setzte diese bildnerisch um. So betitelte er beispielsweise mit "lucerne en recul" zwei Aquarelle, nämlich "lucerne en recul", 1978 (KML GH 87.51y) und "Häuser unter dem Gütsch – Lucerne en recule", 1977 (KML L 113y). Beide Aquarelle sind in der Zeit entstanden, als Thomkins sich in Luzern von seinem Herzleiden erholte. Sie zeigen vom Gütsch herab realitätsnahe Ansichten von seiner Heimatstadt, zu der er auch von Deutschland aus den Kontakt aufrecht erhielt. Das Palindrom "nie besang nase bein" (KML 186:7w) inspirierte Thomkins sowohl zu einer Bleistiftzeichnung als auch zu einer Federzeichnung, die jedoch inhaltlich keinerlei Ähnlichkeiten miteinander aufweisen.

Cornelia Ackermann