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Gewitterstimmung im Hochgebirge
  • François Diday
  • Gewitterstimmung im Hochgebirge, 1864

  • Öl auf Papier, auf Karton geklebt
  • 39.5 x 51.1 cm
  • signiert unten rechts mit rot: "F. Diday"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 13x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'864
  • Jahr bis: 1'864
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Das Berner Oberland ist eines der Hauptziele Didays und seiner zeitgenössischen Schweizer Landschaftsmaler. Dies ist primär darauf zurückzuführen, dass es zu den ersten Regionen gehört, die intensiv von Touristen besucht werden, und zudem eine Vielzahl attraktiver Motive liefert um beeindruckende Naturstimmungen festzuhalten. Somit haben die Künstler für ihre Arbeiten eine relativ gesicherte Abnehmerschaft. Die Handeck und der Rosenlaui Gletscher erfreuen sich dabei ganz besonderer Beliebtheit. Diday wählt attraktive Ausblicke und kreiert Bilder, die den Betrachter und die Betrachterin beeindrucken und ihnen eine repräsentative Erinnerung zu verschaffen vermögen.

In der Liste von Didays Aufträgen taucht die Bezeichnung Handeck das erste Mal im Jahr 1843 auf, danach folgen bis in die 1870er Jahre hinein weitere Anfragen. Das vorliegende Bild aus dem Jahr 1864 ist unter Didays Aufträgen nicht verzeichnet. Der Bildausschnitt ist beeindruckend ähnlich mit dem seines Bildes „Grimselweg auf der Handeck“ von 1855 (Musée cantonal des beaux-arts, Sitten).

Nachdem die ursprüngliche Version in Sitten als direkte Ableitung von Calames berühmtem „Sturm auf der Handeck“ (Musée d’art et d’histoire, Genf) von 1839 verstanden werden kann, mit sich im Sturm beugenden und entwurzelten Tannen, verleiht Diday diesem späteren Werk im Kunstmuseum Luzern eine andere Stimmung. Das Bild in Sitten trägt, wie sein Vorbild von Calame, eine aufpeitschende Dramatik in sich, während das Luzerner Bild denselben Ort in relative Ruhe versetzt. Die Bäume ragen senkrecht und unbewegt in die Höhe, mit kahlen, havarierten Baumstämmen. Die Dramatik des Bildes liegt hier weniger in dynamisch bewegten, hektischen Wolken mit starken Lichtkontrasten und Winden, als viel mehr in der Kargheit der Natur und der Frontalität der näher gerückten Felsen. Die Berggipfel sind, wie dies meistens der Fall ist, von Wolken verhangen, was die Erhabenheit der Berge zusätzlich steigert. Die Wolken erscheinen als schwerer Nebel, der sich träge um die Felsen legt und die ganze Szene in ein Licht mit dumpferen Kontrasten taucht. Die gesamte Stimmung dieser Landschaft könnte als die Ruhe nach dem Sturm interpretiert werden, auf welche der Betrachter und die Betrachterin von einer leicht erhöhten Terrasse im Vordergrund hinunterschauen.

Seraina Werthemann