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Schwebendes Mädchen
  • Ilse Weber
  • Schwebendes Mädchen, 1972

  • Bleistift auf Papier
  • 49.9 x 65.4 cm
  • signiert und datiert unten rechts: "I. Weber 72"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 81.97y
  • © Nachlass Ilse Weber
  • Jahr von: 1,972
  • Jahr bis: 1,972
Description
Provenance
Exhibition History
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Other

Das Blatt zeigt im Bildvordergrund eine Konstruktion von waagrechten und senkrechten Stäben, die ein Gitter bilden. Am Boden liegen gestreifte Ringe, die mit den dahinter sich wogenden Wellen die Assoziation an Schwimmreifen wach rufen. An den einzelnen oberen Enden der Gitterstruktur sind Bänder befestigt, die in den Lüften zu flattern scheinen. An einem dieser Bänder hält sich eine waagrecht schwebende nackte Frau mit ihrer linken Hand fest.

Die Kombination der Elemente zeigt, wie sich bei Weber durch eine Überlagerung und Kombination verschiedener Bilder ein intensives Seherlebnis aufbaut. Ausgangspunk ist eine bewusste Rekonstruktion eines persönlichen Erlebnisses. Die äussere Wirklichkeit bietet Anlass, Zeit und Raum in einer Zeichnung zu verdichten. Die Gegenstände der Zeichnung sind klar erkennbar und bis ins Detail wiedergegeben. Den Zeichnungen eigen ist ein Widerspruch zwischen dieser Genauigkeit und dem dargestellten Unmöglichen, der nicht aufgelöst werden kann. Die vordergründig simple Darstellung des Meeres steht in Spannung mit der Phantastik der Frau in luftiger Höhe. Es bleibt offen und nicht eruierbar, welche Erinnerungen Weber in dieser Zeichnung als Anlass nimmt: Erlebnisse am Meer mit der früh verstorbenen älteren Schwester oder ihrer eigenen Familie? Die Künstlerin führt die Motive zu einem traumähnlichen Bild zusammen, dessen Inhalt geheimnisvoll bleibt, da sie sich zu Lebzeiten nicht zu ihrem inneren Leben äussert.

Karoliina Elmer