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Sorengo
  • Hans Emmenegger
  • Sorengo, um 1898

  • Öl auf Leinwand
  • 54.5 x 83 cm
  • signiert unten rechts: "H. E."
  • Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Gottfried Keller-Stiftung, Bern
  • Inv.-Nr. E 11x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'898
  • Jahr bis: 1'900
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Immer wieder zieht es Hans Emmenegger, den Liebhaber der „herrlich öden, einsamen Gegend“ der Zentralschweiz, auch in den Süden. Dabei erregt weniger das „Land, wo die Zitronen blüh’n“, also das klassische Italien der Campagna mit den Überresten der Antike und den Traumbildern der Bukolik, sein Interesse, sondern das nördliche Italien und das Tessin.

Das Gemälde mit der Darstellung des Ortes Sorengo, zwischen dem Luganer und Muzzaner See gelegen, ist 1898 im Anschluss an einen Tessinaufenthalt während des Jahreswechsels entstanden. Markant hebt sich in der linken Hälfte der Turm der Kirche S. Maria Assunta vom blauen Himmel ab.
Das Bild ist mit dem sonnenbeschienenen Architekturensemble, in dessen helle Braun- und Weisstöne nur ein rotes Wäschestück einen leuchtenden Akzent setzt, noch deutlich beeinflusst von den frührealistischen Italienbildern eines Camille Corot (1796–1875).

Auffällig ist, dass schon in dieser frühen Landschaft keine Staffagefiguren zu finden sind. Wie der von Emmenegger verehrte Robert Zünd (1827–1909) verbannte auch der Jüngere aus seinen Landschaftsbildern die menschliche Figur schliesslich ganz, um den Betrachter nicht durch eine psychologisierende Lesart der Figuren vom Eigentlichen seiner Landschaftsdarstellung, nämlich Licht und Farben, abzulenken.
Die Figur, die erst auf den zweiten Blick im rechten Fenster des Hauses unter dem Kirchturm zu entdecken ist, erscheint in diesem Sinne wie ein Symptom für das Verschwinden des Menschen aus Emmeneggers Landschaftsbildern.

Heinz Stahhut