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Bildnis des Ortiz de Zárate
  • Amedeo Modigliani
  • Bildnis des Ortiz de Zárate, ohne Jahr

  • Bleistift auf Papier
  • 43.5 x 25.7 cm
  • signiert und bezeichnet unten rechts, mit Bleistift: "à Ortiz de Zarate/amicalmente/modigliani"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 662y
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'900
  • Jahr bis: 1'920
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Immer wieder zeichnet und malt Amedeo Modigliani seine Pariser Künstlerfreunde; auch die vorliegende Zeichnung reiht sich in diese Arbeiten ein. Beim Porträtierten handelt es sich um den chilenischen Künstler Manuel Ortiz de Zárate (Como, Italien, 1887 – 1946 Kalifornien, USA), der – im Alter von 18 Jahren nach Paris gekommen – zu den Mitbegründern des Groupe Montparnasse gehört und vornehmlich Bildnisse, Landschaften und Stillleben malt. Die Zeichnung ist dem Dargestellten selbst gewidmet: rechts unten auf dem Blatt befindet sich der Vermerk: "à Ortiz de Zarate / amicalemente / Modigliani".

Das Blatt zeigt das Brustbild eines eher jungen Mannes, der eine Pfeife in der linken Hand hält. Die mittelgescheitelten, bis zu den Ohren reichenden Haare des Porträtierten sind wie die Gesichtszüge und die Hand mit feinem Bleistiftstrich nur schwach skizziert. Mit festerem Strich gezeichnet sind ein Foulard und der Halskragen des Jacketts. Auffällig ist die schräge Augenpartie, verbunden mit der schiefen Kopfhaltung des Mannes, der stark nach links zu schauen scheint. Sein Blick freilich ist ein nur angedeuteter, denn die Augen sind bloss mandelförmige leere Ausschnitte.

Die schwungvollen Bleistiftlinien sind derart spärlich eingesetzt, dass beispielsweise die Hand mit der Pfeife geradezu losgelöst vom Rest der Figur scheint. Wie ein Fremdkörper in Form eines abstrakten Objekts positioniert sie sich auf der Zeichnung. Die gleichermassen feinen Linien, mit denen Gesicht wie Hand gestaltet sind, verbinden sich dennoch zu einem "Ensemble", indem sie einen formalen Kontrapunkt zum festeren Strich der Kleidung setzen.

Isabel Fluri