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Sitzendes Mädchen
  • Cuno Amiet
  • Sitzendes Mädchen, 1915

  • Öl auf Leinwand
  • 91.5 x 98.5 cm
  • signiert und datiert unten rechts: "CA 15"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 70x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,915
  • Jahr bis: 1,915
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

1901 erleidet Amiets Frau Anna die Todgeburt des einzigen Sohnes, ein Erlebnis, das der Künstler in dem Triptychon "Die Hoffnung" (1902) thematisiert. Drei Jahre später adoptiert er seine Nichte Greti. Drei weitere Kinder, unter anderem Hermann Hesses Sohn Bruno, nimmt er während der folgenden Jahre in Pflege.

Im "Sitzenden Mädchen" hat Amiet vermutliche seine erste Adoptivtochter, Greti, dargestellt, deren körperliche Entwicklung er in zahlreichen Bildern festhält. Das Mädchen, das sich in einem Sofa zurückgelehnt hat, bildet eine von rechts unten nach links oben verlaufende Diagonale, die die horizontalen Farbebenen von Sitzfläche, Sofalehne und Wand durchkreuzt. Kräftige, schwarze Konturen setzen die Figur vom flächigen Hintergrund ab und erinnern an Amiets Mitgliedschaft in der expressionistischen Künstlergruppe "Brücke". Farblich ist das Gemälde zurückhaltend, weshalb es innerhalb des koloristisch geprägten Werks des Künstlers eine Sonderstellung einnimmt. Dennoch strahlt auch hier die Farbe eine unmittelbare Sinnlichkeit aus. Vor allem der Kontrast zwischen den kalten Farbtönen in Weiss und Rosa und den warmen Orangetönen verleiht dem Gemälde eine eigene Attraktivität.

Ebenso bildbestimmend ist der Gegensatz von Flächigkeit und Plastizität von Gesicht und Hals. Dabei steht das Porträthafte weniger im Vordergrund, als eine allgemeine körperliche Präsenz. Nur drei Jahre später entstehen Amiets erste bildhauerische Arbeiten, wobei es sich vorwiegend um Büsten handelt. Da der Künstler gerade der Modellierung der Kopf-Schulter-Partie besondere Aufmerksamkeit zollt, liegt der Gedanken nahe, das vorliegende Gemälde als Auftakt zum plastischen Schaffen des Künstlers zu betrachten.

Regine Fluor-Bürgi