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Rothaariges Mädchen
  • Max Buri
  • Rothaariges Mädchen, 1913

  • Öl auf Leinwand
  • 120 x 99.5 cm
  • signiert und datiert unten rechts: "MAX BURI./1913"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. C 8x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'913
  • Jahr bis: 1'913
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Eine rothaarige junge Frau in dunkelgrünem hochgeschlossenem Kleid sitzt auf einem Stuhl in der Mitte eines einfach möblierten Zimmers. Der Stuhl ist von der Seite zu sehen und steht einem sich links im Bild befindenden Tisch gegenüber. Die Frau hat sich der Betrachterin zugekehrt, sitzt so seitlich auf der Sitzfläche, ihren linken Arm über die Stuhllehne gelegt, die sie gleichzeitig mit der Hand umgreift. Die rechte Hand ruht auf dem Tisch. Die Wand hinter der Frau ist in einem hellen Blau gehalten, das mit dem dunkleren Blau des Blumentopfes auf dem Tisch korrespondiert. Ein sich im nächsten Zimmer befindendes geöffnetes Fenster – dargestellt durch eine weisse Fläche, die auffällig mit dem sich vor ihm befindenden Rot des Haares sowie der dunkelgrünen Fläche des Kleides kontrastiert – hinterfängt den Kopf und lenkt so unweigerlich den Blick der Betrachterin auf das Gesicht der Porträtierten. Diese hat ein leises Lächeln aufgesetzt, ihre Augen blicken offen und neugierig, jedoch von der Betrachterin abgewandt.

Max Buri malt das „Rothaarige Mädchen“ 1913 auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Seit zehn Jahren wohnt Buri in Brienz, nachdem er nach seiner Rückkehr aus München, wo er seine künstlerische Ausbildung erhielt, zuerst in Luzern und Langnau Halt gemacht hat. In der Schweiz entwickelt sich seine unverkennbare Malweise und Motivwahl. Mit Vorliebe widmet er sich dem Porträtieren der ländlichen Umgebung des Brienzer Bauernmilieus. Er malt diskutierende Dorfpolitiker im Gasthaus, Kartenspieler in der Gaststube, Musikanten, Bauern und Bäuerinnen in der Stube oder im Freien.

Tatsächlich sind es immer wieder dieselben Personen, die er wiederholt in unterschiedlicher Umgebung und Zusammensetzung zeigt. Dabei stellt man fest, dass diese Gemälde in ihrer Beschränkung auf Dorf und Heimat eher stilisierend denn dokumentierend sind. Buri gibt eine beschönigte Darstellung der Schweiz wieder, die der Verbreitung einer nationalen Identität und Gesinnung Vorschub leisten sollte. Häufig sind die Personen in Tracht dargestellt und befinden sich in lieblicher, ländlicher, alles Städtische oder Moderne ausklammernden Umgebung. Auch die rothaarige Frau taucht in Buris Personenvokabular mindestens zweimal auf. Man vermutet, dass es sich um die in einer Brienzer Bauernfamilie tätige Magd, die „rote Rosa“ genannt wird, handelt. Das Hauptaugenmerk liegt in diesem Gemälde jedoch trotz bäurischer Herkunft, Behäbigkeit der Frau und gesunden roten Backen nicht auf der heimatlich-idyllischen Stilisierung. Vielmehr besticht das Bild durch formale Qualitäten wie die kontrastierende Farbgebung und die dekorativ-flächige Behandlung des Bildraums, die sowohl an Hodler wie Gaugin erinnert.

Sylvia Rüttimann