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Panta Rhei II. Geteilter Strom (Komposition 35)
  • Hans Erni
  • Panta Rhei II. Geteilter Strom (Komposition 35), 1935

  • Öl auf Leinwand
  • 92 x 72.8 cm
  • datiert und signiert verso: "35 / 35/ERNi"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der Stadt Luzern
  • Inv.-Nr. GH 83.55x
  • © Hans Erni
  • Jahr von: 1,935
  • Jahr bis: 1,935
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Zwischen Paris und Luzern pendelnd befindet sich der 26-jährige Hans Erni 1935 auf dem Zenit seines abstrakten Schaffens. Als Mitglied der Künstlergruppe „Abstraction-Création“ hatte er in den zwei Jahren zuvor eine sich völlig vom Gegenständlichen lösende Formensprache entwickelt. Gitterlinien und weich konturierte Flächen formierten sich auf grau- bis grünlich-ockerfarbenen Bildgründen zu schwebenden Konstellationen. Just zu dem Zeitpunkt entsteht eine erstaunlich homogene Werkgruppe von etwa 10 Gemälden und Papierarbeiten. Mit deren Titel – „Panta Rhei“ – verweist Hans Erni erstmals in seinem abstrakten Œuvre auf eine sich ausserhalb des Bildes befindende Vorstellung, nämlich den Leitsatz „panta rhei – alles fliesst“ des griechischen Philosophen Heraklit.

In der Version „Panta Rhei II. Geteilter Strom“ wird Erni mittels des Untertitels sogar noch expliziter hinsichtlich der Metapher des fliessenden Gewässers. Formal lebt dieses Bild wie alle „Panta Rhei“-Versionen von einem wiederkehrenden Kompositionsmuster: Bänder aus horizontal verlaufenden Linienscharen erstrecken sich, teilweise unterbrochen von monochromen Lagen, in vertikaler Richtung und rufen die Vorstellung einer Bewegung, eines Fliessens hervor. Diese Bildfindung von Hans Erni erscheint recht eigenständig und markiert einen ersten Höhepunkt seiner Kunst. Der Charakter des sprechenden Bildtitels lässt bereits ahnen, dass dieser Höhepunkt auch einen Wendepunkt darstellt: Die Referenz zur realen, sichtbaren Welt sowie die Errichtung eines philosophischen, weltanschaulichen Fundaments wird die Weiterentwicklung von Ernis Kunst unwiderruflich prägen. Allerdings wird die Linienschar als einziges abstraktes Stilmittel im gegenständlichen Bildkosmos von Hans Erni überleben, ja mehr, gar zum unverzichtbaren „Accessoire“ mutieren.

Peter Fischer