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Selbstbildnis
  • Augusto Giacometti
  • Selbstbildnis, 1927

  • Öl auf Leinwand
  • 37.5 x 27 cm
  • signiert unten links: "A.G."
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 309x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,927
  • Jahr bis: 1,927
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Augusto Giacometti hat sich zwischen 1908 und seinem Todesjahr 1947 in zahlreichen Selbstbildnissen immer wieder selber dargestellt. Ein solches Porträt setzt die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Spiegelbild voraus und kann so der kritischen Standortbestimmung und Selbstbefragung des Künstlers dienen. Es begleitet und veranschaulicht biographische Stationen und vermag bisweilen sogar die momentane psychische Befindlichkeit des Künstlers wiederzugeben. In Giacomettis Fall spiegeln die Selbstporträts die momentane stilistische Position des Künstlers wider und sind daher besonders interessant. Das erste, um 1908 entstandene "Selbstbildnis mit Hut" ist beispielsweise noch stark von der Jugendstilornamentik und der Auseinandersetzung mit dem italienischen Quattrocento geprägt. Ein anderes, um 1918 gemaltes Selbstbildnis liefert als Resultat der Selbstbespiegelung eine ungegenständliche Darstellung, was zu dieser Zeit einmalig ist.

Das vorliegende Selbstporträt ist 1927, also auf dem Höhepunkt der öffentlichen Anerkennung des Künstlers entstanden. Vor einem in verschiedenen Rottönen changierenden Hintergrund hat sich der Künstler in einem nach rechts gewandten Halbprofil wiedergegeben. Mit ruhigem und freundlichem Gesichtsausdruck blickt der Maler aus dem Bild hinaus. Sein gleichmässig runder Kopf mit den kurzgeschorenen Haupt- und Barthaaren ist plastisch und so nahsichtig wiedergegeben, dass er fast die vordere Bildebene zu durchstossen scheint. Das leuchtende Goldgelb des Inkarnats ist durchsetzt mit Grün, Orange, Violett und Blau, was Assoziationen mit einem der 1926 vom Künstler gemalten "Ostereier" weckt.

Während Giacometti sich in seinen zahlreichen Selbstporträts oft mit gleich bleibendem, neutralem Gesichtsausdruck, mal mit, mal ohne Kopfbedeckung und im Anzug wiedergibt, beweist er im Pinselduktus und vor allem in der Farbwahl mehr Experimentierfreude. Die kräftig farbigen Hintergründe bestehen aus gelben-blauen, blauen-grünen, orangen-gelben und diversen anderen Farbkombinationen und spiegeln sich unterschiedlich stark im Inkarnat des Dargestellten. Die vorliegende Version unterscheidet sich durch eine weiche Pinselschrift von den meisten anderen Selbstbildnissen und besticht durch besonders leuchtende, dichte Farben, durch die Plastizität des Kopfes und durch die Intensität des Gesichtsausdrucks.

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