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Bildnis Bernhard Eglin
  • Ferdinand Baudrexler
  • Bildnis Bernhard Eglin, 1914

  • Öl auf Leinwand
  • 64 x 50 cm
  • signiert und datiert unten rechts-mitte: "Ferd. Baudrexler 1914"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 111x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,914
  • Jahr bis: 1,914
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography

Bernhard Eglin wird am 30. Januar 1830 als Sohn des Stadtweibels und Lithographen Bernhard Eglin (1798–1875) geboren. Der Vater Eglin führt seit 1822, zuerst zusammen mit seinem Bruder Karl Martin Eglin, die erste lithographische Anstalt, nicht nur Luzerns sondern der ganzen Schweiz. 1826 wird diese Arbeitsgemeinschaft aufgelöst und Bernhard Eglin verwaltet von da an seinen eigenen Betrieb.

Der Sohn, Bernhard Eglin, reist bereits mit 14 Jahren nach Belfort, Paris und London, wo er das lithographische Handwerk erlernt. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz tritt er in das florierende Unternehmen seines Vaters ein. Bis zur Erfindung und Popularisierung der Photographie ist die Lithographie das einzige Medium zur Verbreitung von Bildern. Die Firma Eglin ist bekannt für ihre qualitätsvollen Darstellungen des Tagesgeschehens und für ihre Landschaftsansichten.

Nach dem Tode des Vaters führt Bernhard den Betrieb zusammen mit seinem Bruder weiter. Er ist der Doyen der schweizerischen Lithographie und geniesst einen vorzüglichen Ruf. Gegen die Konkurrenz der aufkommenden Photographie können sich die Brüder erfolgreich wehren. Bernhard verschliesst sich den Neuerungen seiner Branche nicht. Als Geschäftsmann nutzt er die Entwicklung, rüstet seinen Betrieb um und passt sich erfolgreich den veränderten Verhältnissen an. Er ist über siebzig Jahre alt, als die Brüder 1902 das Geschäft verkaufen.

Eglin ist als Mitglied des Alpenclubs ein passionierter Berggänger und Naturfreund. In Luzern beteiligt er sich am öffentlichen Leben in der Schützengesellschaft und in der Safranzunft. Die Ehe mit einer Französin aus Belfort bleibt kinderlos. Bernhard Eglin stirbt am 19. März 1922 in Luzern. In seinem Testament setzt er die Kunstgesellschaft Luzern zur Haupterbin seines Vermögens ein. Er knüpft das Erbe an die Auflage, ein Kunst- und Altertumsmuseum zu gründen. Die primitiven Verhältnisse des Luzerner Museums im städtischen Rathaus am Kornmarkt müssen ihm ein Dorn im Auge gewesen sein. Auf engem Raum waren die Altertums- und die Bildersammlung untergebracht. Eglin begründet sein Legat auch entsprechend: „...ich sah, wie kleinere Städte, wie z.B. Solothurn, Aarau, Neuenburg etc. so schöne Museen besitzen und wir Luzerner für diesen Zweck kein eigenes zweckmässiges Gebäude haben. Ich hoffe, durch die Verwertung meiner Liegenschaft etc. kann ein Anfang zu einem dienlichen Gesellschaftsmuseum gemacht werden, das später der Stadt Luzern zu Nutzen und Zier verbleiben würde.“ Dabei lässt er offen, ob die Objekte in seinem Haus an der Schlossergasse untergebracht werden sollen, oder ob der Erlös aus dem Verkauf seiner Liegenschaft in einen Neubau fliessen soll. Weitere Ungenauigkeiten geben den Anstoss zu einer Anfechtung des Testaments durch die Verwandten. Die Kunstgesellschaft kann schliesslich nach jahrelangem Hin und Her über die Schenkung verfügen. Erst 1933 wird der Wunsch Eglins nach einem schönen Museum mit den für das Kunstmuseum reservierten Räumen im neu errichteten Meili-Bau erfüllt. Sein Interesse an der Entwicklung und sein Kunstverständnis haben der Stadt Luzern zu ihrer künstlerischen Entfaltung verholfen. Dank der Weitsichtigkeit seines Bürgers erhält Luzern den Anstoss für ein Kunstmuseum.

Bernhard Eglin hat sich der „neuen Zeit“ gegenüber nie abweisend verhalten, obwohl sich seine Heimatstadt während seines langen Lebens durch die zunehmende Mobilität mit der Eisenbahn von einem beschaulichen Städtchen zu einer attraktiven und lebhaften Stadt entwickelt. Die vielen Veränderungen und Anpassungen, die das Leben von ihm fordert, nimmt er als Herausforderung an. Das Porträt von Ferdinand Baudrexler im Kunstmuseum Luzern entsteht 1914 und zeigt den vierundsiebzig-jährigen Eglin in Frontalansicht. Der wache, aufmerksame Blick deutet auf seine Intelligenz und seine geistige Präsenz, mit der er auch als Greis seine Umwelt wahrnimmt.

Béatrice Cotter