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Bauer mit Kühen
  • Franz Elmiger
  • Bauer mit Kühen, 1916

  • Öl auf Leinwand
  • 99 x 120 cm
  • signiert unten links: "F. Elmiger"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 331x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'916
  • Jahr bis: 1'916
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Während Franz Elmigers Studienzeit in München ist einer seiner prägendsten Lehrer der auf Tierdarstellungen spezialisierte Maler Heinrich Zügel. Dementsprechend machen Tiere auch im Werk seines Schülers Elmiger einen grossen Teil der gewählten Motive aus, so auch im hier besprochenen Bild "Bauer mit Kühen".

Das zentrale Bildthema sind zwei Kühe in der Mitte des Bildes, welche sich frontal auf den Betrachter zu bewegen. Rechts neben ihnen, leicht nach hinten versetzt, geht der Bauer anscheinend gemächlich neben den Tieren her. Als Kulisse für diese Figurengruppe dient eine Schneelandschaft. Im Hintergrund, parallel zum oberen Bildrand, verläuft eine Hügelkette im Gegenlicht. Die beiden Tierkörper wirken schwer; bis auf ihre Rücken, welche vom schräg einfallenden Licht beleuchtet sind, stehen sie im Schatten.

Die beiden Kühe fungieren nicht nur als Figuren im fiktiven Bildraum, sondern auch als geometrische Einheiten im Bildaufbau. In dieser Funktion sind die Tiere eher als Fläche angelegt und bilden in diesem Zusammenhang mit den Schatten der Figuren, welche nach vorne zum unteren Bildrand hin fallen, eine Einheit. Die Beine der Tiere und die dazugehörigen Schatten bilden ein Bildfeld von senkrecht aneinander gereihten Streifen, die sich durch den hell-dunkel Kontrast vom Schnee abheben. Diese gestalterische Gliederung wiederholt sich auch im Fell der Tiere, wo sich vertikal ausgerichtete weisse und schwarze Partien abwechseln. Diese senkrecht ausgerichteten Streifen stehen in Kontrast zu dem horizontal verlaufenden Hintergrund und Vordergrund, welche das Bild sozusagen einrahmen. Das zentrale Thema des Bildes, die Bewegung und Präsenz der Tiere, wird zu Gunsten eines ausgewogenen und eher flächig konzipierten Bildaufbaus in den Hintergrund gerückt.

Bei solchen Beobachtungen kommt die Frage auf, inwieweit Elmiger mit Hodlers Parallelismustheorie vertraut war. Hodler, der sich selbst zum Erfinder des Parallelismus erkoren hatte, definierte diesen als jede Form von Wiederholungen innerhalb eines Bildes. Dies manifestiert sich meist in einer ausgeprägten Symmetrie innerhalb des Bildaufbaus. Hodler wollte damit die ordnenden Kräfte in der Natur sichtbar machen, wobei seine künstlerische Einflussnahme nicht gering war, da er vor allem mit der Bestimmung des Bildausschnitts etwa durch die Anordnung der Wolken die Symmetrie einer Bildkomposition entscheidend lenken konnte. Wenn man Elmigers Bildaufbau als eine Umsetzung Hodlers Theorie verstehen möchte fällt als erstes auf, dass er nicht wie Hodler eine Landschaft oder Figurengruppe wählt, um eine parallel verlaufende Wiederholung gleicher Formen zu erzeugen, sondern den Parallelismus auf eine Tierdarstellung überträgt.
Die Konsequenz zeigt sich vor allem in der künstlich anmutenden Haltung der Tiere. Ausser dem erreicht Elmiger nicht die gleiche Harmonie und Eleganz wie Holders in seinen horizontal ausgerichteten Landschaften. Doch kann man dieses Bild vielleicht als eine Vorstufe zu späteren Landschaftsbildern Elmigers sehen, in welchen ein neuerlicher Versuch besser ausfällt.

Mit dem Ausruf "Sie, Hodler!" hat Zügel anscheinend seinen jungen Schüler einst kritisieren wollen. Diese Anekdote beweist, dass Holders Bildauffassung durchaus ein Thema unter der jüngeren Generation war und dass Elmigers Entwicklung hin zu einer flächigen Malweise bereits während seinem Studium seinen Anfang fand. Das Bild, welches 1916, kurz nach Beendigung seiner Ausbildung entstand, verdeutlicht dies. Es markiert einerseits die Emanzipation des jungen Malschülers von seiner klassischen Ausbildung und gleichzeitig Elmigers Übergang von räumlicher zu flächiger Malweise.

Janine Moroni