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Mayerling Raum
  • Urs Lüthi
  • Mayerling Raum, 1968

  • Kunstharz auf Spanplatten, 14-teilig
  • ca. 200 x 1600 cm
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 83.1w
  • © Urs Lüthi
  • Jahr von: 1,968
  • Jahr bis: 1,968
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography

Die mehrteilige Arbeit war ursprünglich für die Cafeteria des Suisa-Gebäudes in Zürich bestimmt. Lüthi hatte den Auftrag nach einem Wettbewerb erhalten. Es handelte sich um einen relativ schmalen, langen Raum, das zentrale Element des Werkes mit den beiden rechteckigen Platten entspricht dessen Stirnseite, von da aus fügten sich an den beiden Längsseiten die schmaler werdenden Elemente in einer Linie zum Eingang hin an. Dieses einzige, jemals für einen öffentlichen Raum entstandene Werk wurde jedoch bereits kurze Zeit nach der Fertigstellung wieder entfernt und gelangte über die Galerie Palette, wo Lüthi in den 1960er und 1970er Jahren mehrmals ausgestellt hatte, im Jahr 1983 ins Kunstmuseum Luzern.

Die Präsentation im Museum, ausserhalb des ursprünglichen Kontextes, musste neu überdacht werden. Die architektonischen Bedingungen des ursprünglichen Raumes könnten zwar nachgebaut werden, etwa um zu verdeutlichen, dass der Einschnitt im oberen Bereich des zentralen Elementes vom Lüftungsschacht der Cafeteria im ehemaligen Suisa-Gebäude herrührt. Der Künstler hat sich jedoch dafür ausgesprochen, das Werk in einer klassischen Präsentation als mehrteilige Wandarbeit zu zeigen. Dabei stört ihn der Einbezug einer Ecksituation nicht, falls eine zu kurze Wand zur Verfügung steht.

Das Werk entsteht in einer Phase, in der sich Lüthi intensiv mit der Ästhetik der Pop-Art beschäftigt. Gleichzeitig ist Lüthis damaliges Schaffen von einer stark grafischen, abstrakten Formensprache geprägt, vergleichbar mit jener des Berners Markus Raetz. So ist denn das Grundprinzip des Suisa-Werkes schwierig zu deuten. Die Farbe türkis-blau, die hier prominent in Erscheinung tritt, kann in Bezug auf das spätere Werk mit dem Himmel oder dem Meer in vielen Werken in Verbindung gebracht werden. Das Liniennetz, das in mehreren ähnlichen Bildern Verwendung findet, erinnert an kartografische Darstellungen. Das Hauptelement ist ein Fragment einer weissen, gerasterten Fläche vor schwarzem Grund, eine Form, die Lüthi aus Vorlagen von Illustrationen aus der Drucktechnik entwickelte und die er für mehrere Werke in ähnlicher Weise verwendete (vgl. z.B. KML 2005.2z). Bei den Cafeteriabenutzern provozierte diese Form die Assoziation, es handle sich um einen durchlöcherten Käse, was mit ein Grund dafür gewesen sein mag, dass das Werk nach kurzer Zeit demontiert wurde.

Christoph Lichtin