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Schafe im Stall
  • Rudolf Koller
  • Schafe im Stall, 1861

  • Öl auf Leinwand
  • 81.5 x 100 cm
  • signiert und datiert unten links: "Studie R. Koller 1861"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 14x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,861
  • Jahr bis: 1,861
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

In der vorliegenden, um 1861 entstandenen Ölstudie greift Rudolf Koller auf ein Motiv zurück, das er bereits drei Jahre zuvor mittels Kohle und Schwarzkreide festgehalten hat. Solche Tierstudien kommen dann häufig in grossformatigen Gemälden wieder zum Einsatz, in diesem Falle in "Mittagsruhe" (Kunsthaus Zürich). Besonders im Alter, als Koller durch sein zunehmendes Augenleiden behindert wird, ist er auf seine früheren Naturbeobachtungen angewiesen.

Das Ölbild, von Koller selbst mit "Studie" betitelt, zeigt ein Arrangement von vier Schafen. Innerhalb eines Bretterverschlags liegen sie, eng aneinandergeschmiegt, im Stroh. Ein einzelner Sonnenstrahl, der in den ansonsten dunklen Stall fällt, taucht Teile ihrer Anatomie in ein helles Licht. Dies gibt dem Maler die Möglichkeit, mit der Wiedergabe diverser Materialien zu brillieren. Er zeigt die unterschiedliche Beschaffenheit des weichen, krausen Felles, der samtweichen Nüstern und der harten Läufe und Hufe. Kaum sichtbar indes bleibt das braune Schaf, das der Maler trotz seiner dunklen Ausführung in zahlreichen tonalen Abschattierungen wiedergibt und so innerhalb eines eng begrenzten Lichtspektrums eine erstaunliche Varietät beweist.

Die Anordnung der vier Tierkörper ist sehr durchdacht und demonstriert Kollers Talent in der korrekten, perspektivischen Wiedergabe der Tieranatomie. Die Schafe, die mal seitlich, mal von hinten oder vorn gezeigt werden, sind alle in derselben liegende, leicht gekrümmte Stellung dargestellt. Es handelt sich im Prinzip um die verschiedenen Ansichten eines einzigen Tieres, ein Trick, mit dem bereits die Renaissancekünstler ihre Meisterschaft in der Beherrschung der Perspektive unter Beweis stellten.

Die vorliegende Tierstudie kann als eigentliches Bravourstück des Künstlers bezeichnet werden, das sämtliche seiner Fähigkeiten zur Anschauung bringt. Sie stelle "Kollers bestes und intensivstes Porträt von Schafen dar", ist Jörg Huber überzeugt. Sicher ist, dass in solchen isolierten Tierporträts Kollers Leistung einmalig ist. Werden sie aber in die grossformatigen, detailliert durchgearbeiteten Kompositionen eingegliedert, verlieren sie an Intensität und wirken oft anekdotisch und dekorativ.

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