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Schweizer Gruppe Moderner Bund 1913, 2. Mappe
  • Der Moderne Bund
  • Schweizer Gruppe Moderner Bund 1913, 2. Mappe, 1913

  • diverse Medien auf Papier
  • 32.9 x 26 cm
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 93.170-174z
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,913
  • Jahr bis: 1,913
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Im Laufe des Jahres 1913 erscheint die zweite Publikation des Modernen Bundes. Diesmal handelt es sich nicht um ein gebundenes Heft, sondern um eine Mappe mit losen Blättern. Die Auflage ist nicht bekannt. Ein Verzeichnis mit 20 Passivmitgliedern dokumentiert den Erfolg des im ersten Heft erschienenen Werbeschreibens.

Im Gegensatz zum ersten Heft beinhaltet die Mappe keine Reproduktionen, sondern fünf Originalgraphiken. Wiederum sind die Gründungsmitglieder Walter Helbig mit einem Holzschnitt zu Claudels "Verkündigung" (KML M 93.174z) und Oscar Lüthy mit einer radierten Architekturdarstellung vertreten (KML M 93.170z). Daneben steuern Wilhelm Gimmi, Hermann Huber und Paul Klee der Mappe je eine Graphik bei.

Der hauptsächlich in Paris tätige Zürcher Maler Wilhelm Gimmi gehört zusammen mit Lüthy zu den "Kubisten" des Modernen Bundes. Der Linolschnitt (KML M 93.172z) zeigt einen grossen, symmetrischen Frauenakt. Die eher üppig wiedergegebene weibliche Figur trägt einen Korb mit Früchten auf dem Kopf, was ihr den Übernamen der "Pomona", also der Göttin des Obstsegens, einbringt. Im Hintergrund wird ein fragmentarisch wiedergegebener Raum sichtbar, von dem sich der Akt deutlich abhebt.

In der Radierung mit drei rätselhaften Frauen zeigt sich das zeichnerische bzw. graphische Talent Hubers (KML M 93.171z). Vor einem feinmaschigen Netz aus feinen Parallelschraffuren werden die Gestalten von drei Frauen sichtbar. Sie sind in Gewänder gehüllt, deren dekorative Faltengebung das formale Grundmuster des Raumes aufzunehmen scheinen. Auch in Haltung und Gestik unterwerfen sich die Gestalten dem schwungvoll gebogenen Federstrich.

Bei Klees "Garten der Leidenschaft" (KML M 93.173z) handelt es sich um eine kleinteilige, querformatige Radierung, die nicht nur dem Namen nach an Hieronymus Boschs "Garten der Lüste" erinnert. Die phantastische, von Pflanzen überwucherte Landschaft wird, wie beim niederländischen Maler des 15. Jahrhundert, durch diverse Fabelwesen belebt. Weitab vom Brücke-Expressionismus Helbigs und vom Kubismus Lüthys bewegt sich Klee in einer phantastischen, märchenhaften Sphäre, die am ehesten eine gewisse Nähe zu Hermann Hubers Radierungen aufweist.

Die kurze Übersicht zeigt, wie wenig der Moderne Bund einem Gruppenstil verpflichtet ist. Im Gegenteil wird die Individualität der einzelnen Mitglieder und die Vielfalt und Verschiedenheit von Themen und Formensprachen vom Kunstschriftsteller L.H. Neitzel im Katalogvorwort zur dritten gemeinsamen Ausstellung in München lobend erwähnt. Noch im selben Jahr löst sich der Bund auf und die Mitglieder gehen ihre jeweils eigenen, zum Teil diametral auseinanderführenden Wege.

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