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Ausritt der maurischen Reiter
  • Arnold Böcklin
  • Ausritt der maurischen Reiter, 1873

  • Öl auf Leinwand
  • 54.3 x 77.3 cm
  • bezeichnet unten Mitte: "A. Böcklin"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. C 6x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'873
  • Jahr bis: 1'873
Werkbeschrieb
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Ein herausragender Schwerpunkt in der Sammlung des Kunstmuseum Luzerns sind wichtige Gemälde berühmter Schweizer Maler der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in erster Linie ist hier natürlich Robert Zünd zu nennen, aber auch Robert Koller und Johann Gottfried Steffan, sowie Ferdinand Hodler und der in Basel geborene Arnold Böcklin. Vom letzteren befinden sich drei Gemälde in der Sammlung. Dazu gehört das um 1873 entstandene Bild „Die Maurischen Reiter“, das schon 1874 durch Vermittlung von Jost Meyer-am Rhyn Eingang in die Sammlung fand.

Es zeigt eine Landschaftsdarstellung, in deren Hintergrund sich auf einer Felskuppe eine Burg befindet. Von ihr geht ein felsiger Weg ab, der sich von links oben nach rechts unten über das Bild zieht. Dieser Weg wird im Vordergrund durch drei knorrige Bäume gesäumt, hinter denen die Landschaft abrupt in die Tiefe fällt; nur noch die Spitze eines Baumes sowie Andeutungen eines Bergmassivs in der Ferne sind zu sehen. Am Himmel ziehen Wolken vorüber, Weg und Umgebung sind so nur teilweise von der Sonne beschienen – eine südliche Gegend im Herbst.

Das auffälligste Merkmal des Bildes ist jedoch nicht die Landschaft, sondern ein Trupp Reiter, der sich auf dem Weg befindet. In zwei Reihen bewegt sich der Zug von der Anhöhe der Burg nach unten. Die Reiter sind von dunkler Hautfarbe und in lange Gewänder gekleidet, sie scheinen arabischer Herkunft zu sein. Böcklin versetzt hier Betrachter und Betrachterin in das mittelalterliche Spanien während der Besetzung des Landes durch die Mauren. Jedoch ist kein konkretes geschichtliches Ereignis dargestellt. Tatsächlich legte Böcklin Wert darauf zu betonen, dass er sich als Maler nicht um historische Korrektheit zu kümmern habe, vielmehr müsse sich ein Künstler auch von farblichen Kriterien leiten lassen, wie auf diesem Gemälde. Auffällig ist der Trupp der Reiter nämlich nicht der eher geringen Anzahl Reiter wegen, die nur einen kleinen Teil des Bildes einnehmen. Vielmehr ist es das leuchtende Rot ihrer Gewänder, das stark mit dem Weiss der Pferde und dem Grün und Braun der umgebenden Landschaft kontrastiert und die Aufmerksamkeit des Betrachters und der Betrachterin auf sich zieht. Das Rot wurde von Böcklin nicht aus Gründen der Authentizität gewählt, sondern, so wurde spekuliert, weil es wie ein visueller Trompetenstoss wirkt.

Dieser kontrastreichen Farbigkeit wegen, die typisch für Böcklins künstlerische Produktion der Münchner Zeit ist, wird die Entstehung des undatierten Gemäldes um das Jahr 1873 vermutet.

Sylvia Rüttimann