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La Loge
  • Maurice Barraud
  • La Loge, 1928

  • Öl auf Leinwand
  • 81.5 x 65.5 cm
  • signiert unten links: "M. Barraud"
  • Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur, Bern
  • Inv.-Nr. D 2x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'928
  • Jahr bis: 1'928
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Die Frau bildet den thematischen Mittelpunkt von Maurice Barrauds Werk. Ihr gelte in erster Linie alle Zärtlichkeit der Aussage, alle Aufmerksamkeit und sinnlich genusshafte Begeisterung, schreibt Franz Meyer im Vorwort zum Ausstellungskatalog der Kunsthalle Bern zwei Jahre nach Barrauds Tod. Dabei folgen die weiblichen Akte und Figurenbilder einem ganz bestimmten Frauentypus: Den Kopf kennzeichnen eine niedrige Stirn, grosse Augen, ein griechisches Profil und ein sinnlicher Mund, die Körperformen sind stattlich und weich gerundet. Ausserdem nehmen die Frauengestalten eine entspannte, fast träge Haltung ein. Ihre Ausstrahlung ist sanft und neigt zum Träumerischen.

Das blonde Mädchen aus "La Loge" erfüllt die meisten dieser für Barraud typischen (Geschlechts-)Merkmale. Sie hat sich aus ihrem Sessel in der Loge nach vorne gelehnt, während sie sich mit beiden Unterarmen auf der gepolsterten Brüstung abstützt. Den Kopf, im strengen Profil wiedergegeben, hat sie Richtung Bühne gewandt. Aufmerksam und selbstvergessen scheint sie das Geschehen dort zu verfolgen.

Ihr voluminöser Körper mit den breiten Schultern und den kräftigen Armen ist in vereinfachten, sehr weichen und glatten Formen wiedergegeben, die fast wie gegossen wirken. Die starke Plastizität des Körpers erinnert daran, dass Barraud in seiner Frühzeit als Bildhauer gearbeitet hat. Durch die Anordnung des Bildraums in der Diagonalen sowie durch die grosszügige Unterteilung in warme und kalte Farbpartien gewinnt das Gemälde aus der Distanz ausserdem eine merkliche Tiefe, die von der glatten Plastizität der Figur unterstützt wird.

Die Farbpalette ist – abgesehen von wenigen kontrastierenden Schwarztönen – vorwiegend auf die Farben Rot und Rosa reduziert, was dem Gemälde eine spezielle Ausdruckskraft verleiht. Die in schimmerndem Rosa und schattierendem Ocker modellierte Haut vermittelt Frische und betont die Jugendlichkeit der blühenden Frau. Aufgenommen wird diese ausserdem im Perlmuttglanz des Schmuckes und im zartrosa Abendkleid. Im Gegensatz dazu ist die gesamte Loge mit rotem Samt ausgekleidet. Die stellenweise hell durchschimmernde Leinwand verleiht dem schweren, üppigen Ambiente jedoch eine gewisse Leichtigkeit.

Vor allem in koloristischer Hinsicht wirken in Barrauds Werk verschiedene französische Vorbilder der 19. und 20. Jahrhunderts. Die zarten Teintfarben sowie der lockere, pastellartige Farbauftrag erinnern an Pierre-Auguste Renoir und Edgar Degas. Ausserdem hat Barraud Henri Matisse und Pierre Bonnard bewundert. Weitere Vorbilder sind in der spanischen Malerei, insbesondere in Goya und Velasquez, zu suchen.

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