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Buchenwald
  • Robert Zünd
  • Buchenwald, 1886/1887

  • Öl auf Leinwand
  • 119.5 x 158.8 cm
  • signiert unten links: "R. Zünd"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 25x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'886
  • Jahr bis: 1'887
Werkbeschrieb
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Der „Buchenwald“ führt den Blick des Betrachters aus dem schattigen Waldinnern den sanft gebogenen Weg entlang um eine Kurve, die von hellem Licht durchflutet ist. Im Schatten fast unsichtbar zieht sich ein Waldbächlein durch den steinigen Boden. Im Hintergrund angedeutet ein Himmel, dessen helles Blau Unendlichkeit suggeriert.

Im Vergleich zu den „Eichwäldern“, dessen erste grossformatige Studie (KML M 87x) rund dreissig Jahre vor dem „Buchenwald“ angefertigt wurde, gibt Zünd die starke vertikal-horizontale Rhythmisierung auf, die die Bildelemente ineinander verzahnt und zusammen mit ihrer Monochromie eine grosse Geschlossenheit bewirkt. Die Erfolgsformel der „Eichwälder“ – es sind drei ausgeführte Fassungen bekannt – unterzieht Zünd einer beträchtlichen Revision: Geschickt modelliert er im „Buchenwald“ mit Hilfe einer grünen und mit Braun erweiterten Farbpalette einen Bildraum, der sich von der schattigen vorderen Bildebene in eine zweite ergiesst und den Betrachter ins Bild führt. Zünds „Buchenwald“ scheint ebenso monumental wie sein „Eichwald“, jedoch leichter in der malerischen und farblichen Auffassung. Man ist geneigt, seinen Blick von einem lichtgeschwängerten Blatt aufs andere gleiten zu lassen. Dieser meisterhaft inszenierte Lichteinfall, der sich auch auf dem schmalen mit frischem Herbstlaub bedeckten Waldweg weiterzieht, unterstützt die Impression eines wahrhaftigen Waldstücks, von dem uns frische klare Luft entgegenströmt.

Vorstudien zum „Buchenwald“ zeigen, dass sich Robert Zünd erst im Laufe der Arbeit am Bild entschieden hat, keine Staffagefiguren zu verwenden. Eine quadrierte Federvorzeichnung zu diesem Gemälde zeigt einen Schäfer mit seiner Herde, der auf dem zum Betrachter führenden Weg in der rechten Bildhälfte eingezeichnet ist. Auch weitere kleine Differenzen zwischen Vorzeichnung und ausgeführtem Gemälde zeigen, dass Zünd seinen Arbeitsprozess kritisch verfolgte und wo nötig Verbesserungen in Form leichter Verschiebungen der Pause vornahm. Im Grossen und Ganzen erweist sich jedoch der „Buchenwald“ wie praktisch alle Gemälde des Malers als Produkt eines genauen und akribischen Arbeitsprozesses, in dem jegliche Zufälle im Vorfeld ausgemerzt wurden.

Der „Buchenwald“ darf als eines der Meisterwerke Robert Zünds genannt werden. Diese Bildfindung hat ihn bis in sein hohes Alter beschäftigt. Noch 1902, sieben Jahre vor dem Tod des Malers, arbeitet er an einer zweiten, kleineren Fassung des Motivs (in Privatbesitz), an dem er entscheidende Veränderungen vornimmt. Die geschwungene Buche des Luzerner Gemäldes, die sich leicht rechts von der Bildmitte befindet, zentriert er nun und streckt sie gerade gen Himmel. Am unteren Bildrand, dort wo das Bächlein den Waldboden erreicht, kauert eine kleine Figur, den Rücken zu uns gewandt. Robert Zünd, dem seine Zeitgenossen grosse Bescheidenheit und Gläubigkeit nachgesagt haben, bringt seine anfängliche Komposition mit dem Schafe führenden Hirten – Sinnbild Jesu Christi und seiner Anhänger – in anderer Ausformung zu Tage, scheint doch, als dass die grosse gerade Buche zum Kreuz wird, das in den Himmel reicht, angebetet vom Menschen zu Füssen der schönen, reinen Natur.

Susanne Neubauer