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Der Bildhauer Ahorn und seine Familie, samt seinem verfertigten kollossalischen Löwen
  • Josef Reinhard
  • Der Bildhauer Ahorn und seine Familie, samt seinem verfertigten kollossalischen Löwen, 1821

  • Öl auf Holz
  • 48.8 x 44 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der Stadt Luzern
  • Inv.-Nr. G 748x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'821
  • Jahr bis: 1'821
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Der 1789 in Konstanz geborene Lukas Ahorn ist im Zusammenhang mit dem Löwendenkmal in Erinnerung geblieben. Diese Grossplastik geht auf die Initiative von Karl Pfyffer von Altishofen (1771–1840), Leutnant im Regiment d’Affry der königlichen Schweizergarde in Paris zurück. Pfyffer von Altishofen befand sich beim Sturm der revolutionären Bürgermilizen auf die Tuilerien im August 1792 auf Heimurlaub in Luzern. Die Nachricht vom Schicksal seiner Waffengefährten bei der Verteidigung Louis’ XVI motivierte ihn sogleich, in seiner Vaterstadt ein Denkmal an die Gefallenen zu initiieren. Er kehrte 1801 nach weiteren Solddiensten nach Luzern zurück, kaufte 1805 für das zu errichtende Denkmal ein Grundstück beim Steinbruch an der unteren Zürichstrasse und begann einen englischen Garten anzulegen. In Vinzenz Rüttimann gewann er in der Zeit der Restauration einen Verbündeten für das Projekt. 1818 werden erste Entwürfe Schweizerischer Bildhauer verfertigt, man entscheidet sich jedoch, einen der bekanntesten damaligen Bildhauer für das Denkmal zu gewinnen. Vinzenz Rüttimann, in diplomatischer Mission in Rom unterwegs, kann den dänischen Bildhauer Berthel Thorwaldsen für das Denkmal begeistern.

Thorwaldsen ist 1819 in Luzern. Nach seinen Modellen beginnt der Solothurner Urs Pankraz Eggenschwiler mit der Ausführung des Löwen, verunfallt aber und stirbt an den Folgen des Sturzes. Darauf wird der junge Konstanzer Bildhauer Lukas Ahorn (1789–1856) mit der Fortführung beauftragt. Er nimmt im März 1820 die Arbeit am begonnen monumentalen Löwen auf und beendet diesen auf die Eröffnung hin am 10. August 1821. Die Kunstgesellschaft belohnt die Leistung Ahorns mit der Ehrenmitgliedschaft und 1833 mit der Herstellung einer Gedenkmedaille.

Ahorns Erfolg währte nur kurze Zeit. Obwohl die Hoffnung bestand im Gefolge Thorwaldsens zu weiteren Aufträgen zu kommen – Ahorn wurde immerhin dem Prinzen Christian Friedrich von Braunschweig empfohlen – sind von ihm keine bemerkenswerten künstlerischen Zeugnisse vorhanden. Er starb in ärmlichen Verhältnissen. Das Gemälde wurde in der von der Zürcher Kunstgesellschaft auf den 16. Juli 1821 organisierten Ausstellung unter dem Titel „Der Bildhauer Ahorn und seine Familie, sammt seinem verfertigten Kolossalischen Löwen“ gezeigt. Weitere Darstellungen des Bildhauers auf dem Löwen sind von Augustin Schmid und als Lithografie von Hans Caspar Hegi erhalten.

Christoph Lichtin