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Statische Meditation III
  • Maria Lassnig
  • Statische Meditation III, 1951/1952

  • Öl auf Leinwand
  • 89 x 116 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 90.16x
  • © @ Maria Lassnig Stiftung ((dt.-sprachiger Raum)) bzw. @ Maria Lassnig Foundation ((für internationale Leihgeber))
  • Jahr von: 1,951
  • Jahr bis: 1,952
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Lassnigs grossformatiges Ölgemälde „Statische Meditationen“ gehört zur gleichnamigen Gruppe der 'statischen Meditationen', die zu Beginn der 1950er Jahre entstanden und den Anfang der Serie von Strich- und Linienbilder markieren, die die Künstlerin in den 1960er und in den 1980er Jahren wieder aufnimmt. Anlässlich ihres Aufenthaltes in Paris setzt sich Lassnig 1951 mit der Art Informel auseinander, beginnt jedoch schon bald nach den ersten informellen Werken das ungegenständliche Bildchaos spezifischer zu formen. Ausgehend von meditativer Kontemplation wird das physische Ereignis der Körperempfindung zum zentralen Thema der Reihe der 'statischen Meditationen'. Im Zuge einer durch innehaltende Konzentration generierten Bildfindung gelingt es ihr, die Linien zu bündeln. Im Gegensatz zu den informellen Gemälden sind die Formen in der „Statischen Meditation III“ reduziert, die blauen und schwarzen sich ab und an überlappenden und ineinander verlaufenden Pinselstriche unterteilen die Leinwand, bilden eine Masse, einen Körper der sich immer mehr ausdehnt. Am unteren linken Bildrand sind zwei der dunklen Linien angeschnitten und scheinen aus dem Werk hinauszulaufen. Das Streben der Linien und somit der Körpermasse bis zum Blattrand und darüber hinaus evoziert eine Konfrontation mit dem beschränkten Bildraum, die letztlich auf die Künstlerin angewendet auch als eine Auseinandersetzung der eigenen Leiblichkeit mit dem Bildraum oder mit dem Raum per se verstanden werden kann. Analog zu dieser Konfrontation ergibt sich für den Bildbetrachtenden weiter die Assoziation mit der allgemein ausgelegten Dualität von Innen und Aussen, die Lassnigs Werk bis in die Gegenwart prägt. Daran angelehnt ist die Annahme der dunklen Umrisslinien als menschliche Haut, welche die für Lassnig entscheidende Grenze zwischen einem körperlichen Innen und einem weltlichen Aussen visualisiert.

Auch wenn die Körpermasse der Strich- und Linienbilder in den frühen fünfziger Jahren noch abstrakter und kleiner als Lassnigs wirklicher Körper ist, nimmt sie doch die Tendenzen der zweiten Serie dieser Bildart vorweg, die die Künstlerin etwa ab 1961 konzipiert. Die Gemälde sind nun grösser und die Formen entsprechen in ihren Ausdehnungen der realen Körpergrösse der Malerin. Lassnigs Körper wird – im Unterschied zur „Statischen Meditation III“ von 1951/52 – visuell erfahrbar und die Linien fungieren immer mehr als reale Körperumrisse. Die jüngsten Strichbilder, die Lassnig etwa seit 1985 gestaltet und zu denen auch das Werk „Breitseite“ (KLM G 90.17x) gehört, nehmen wieder die Ansätze aus den 1950er Jahren auf und lassen mit impulsiver Farbigkeit eher körperliche Umrissfragmente denn reale Körperformen anklingen.

1989 zeigt das Kunstmuseum Luzern „Mit dem Kopf durch die Wand“, die sowohl die erste Schweizer Einzelausstellung als auch die seit 1985 erst zweite Retrospektive von Lassnigs Schaffen darstellt. Konzipiert unter der Leitung von Martin Kunz hat die Ausstellung den Anspruch, Korrelationen zwischen Lassnigs Schaffen der 1950er und 1960er und den Werken der 1980er Jahren aufzuzeigen. Im Anschluss daran erwirbt das Kunstmuseum Luzern Lassnigs „Statische Meditationen III“ und die Stadt Luzern kauft das Ölgemälde „Breitseite“, das sich heute als Depositum in der Museumssammlung befindet.

Gioia Dal Molin