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Genreszene in italienischer Landschaft
  • Ludwig Vogel
  • Genreszene in italienischer Landschaft, ohne Jahr

  • Öl auf Leinwand
  • 36.2 x 45.3 cm
  • signiert unten rechts: "L. Vogel"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 57x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'808
  • Jahr bis: 1'879
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Auf der Reise von Anfang Oktober bis Mitte November 1811, die Ludwig Vogel zusammen mit seinem Freund Franz Pforr von Rom aus unternimmt, erleben sie in der Nähe von Neapel die einheimische Bevölkerung bei der Traubenlese und beim Herstellen des Weines. Dieses Erlebnis und die Landschaft beeindrucken den Künstler stark. Vogel fühlt sich in die Zeit der Antike – ins goldene Zeitalter – zurückversetzt und hält seine Eindrücke in Skizzen fest. Auf seinen Zeichnungen zur Weinernte sind Männer zu sehen, die das gleiche Hutmodell tragen wie der Junge links im Bild. Es ist daher anzunehmen, dass die in Neapel angefertigten Skizzen als Grundlage für dieses Gemälde dienten, das während der Zeit der Reise oder kurz danach angefertigt worden sein könnte.

Die Weintrauben und die Natur bilden den Rahmen für die Szene im Vordergrund: Der Künstler stellt vier Personen auf einer Terrasse dar, die auf der linken Seite und oben von Reben eingefasst wird. Rechts öffnet sich der Raum auf eine Landschaft, bei der im Mittelgrund Ruinen auf einem Hügel zu erkennen sind und die am Horizont in einen mediterran anmutenden Küstenstreifen ausläuft. Der Mann in der Mitte des Bildes sitzt auf der die Terrasse umfassenden Mauer einer Pergola und spielt, ganz vertieft, auf seiner Mandoline. Zu seiner Rechten sitzt eine Frau, die ihren Blick aus dem Bild heraus auf den Betrachter richtet. Das Mädchen ganz rechts lehnt, neben einem Tamburin auf dem Boden sitzend, an die Umfassungsmauer der Terrasse und schaut seinerseits zum Jungen am linken Bildrand hinüber. Dieser schliesst den Personenkreis durch seinen ausgesteckten linken Arm. Mit seiner Hand deutet er zum einen auf die Frau in der Mitte, zum andern hält er aber auch die Leine des Eichhörnchens fest, das auf seiner rechten Schulter sitzt. Der Kreis dieser Gruppe wird vervollständigt durch einen Hund, der zum Jungen aufschaut.

Diese Genredarstellung erweckt den Eindruck einer idealen Szene: Eine Gruppe von jungen Leuten sitzt friedlich beisammen, geborgen in einem Aussenraum, aber doch auch in enger Verbindung zur Natur. Die sich öffnende Landschaft verspricht Ausblick und Weite und könnte als Sehnsuchtsmotiv gelesen werden. Die Attribute wie das Fass, der Krug, aber auch die Musikinstrumente lassen an ein Winzerfest denken, die reifen Trauben deuten zusätzlich auf den Herbst hin. Der harmonische Eindruck wird noch betont durch den symmetrischen, stark auf den Horizont ausgerichteten Aufbau des Bildes sowie durch die Anordnung der Figuren, die einen Kreis bilden.

Seit seinen Studienjahren kopiert Ludwig Vogel immer wieder Arbeiten anderer Künstler, wobei er Raffael und Holbein besonders schätzt. Es ist anzunehmen, dass solche Vorstudien ihm auch hier bei diesem Gemälde als Grundlage dienten. Das Motiv des Eichhörnchens etwa kommt bei Hans Holbeins Gemälde „Dame mit Eichhörnchen und Star“ von 1526/28 vor, wobei das kleine Tier, das im 16. Jahrhundert als Haustier gehalten wurde, ebenfalls mit einer Kette dargestellt ist.

Vogel stellt auf diesem Gemälde, ausgehend von seinen persönlichen Erlebnissen auf der Italien- und insbesondere der Neapelreise sowie von seinen Vorstudien, eine ideale Szene zusammen, bei der das Individuum in der Gemeinschaft aufgehoben ist.

Agatha von Däniken