deutschenglish
Cueilleuses de violettes
  • Constantin (auch Kostia) Terechkovitch
  • Cueilleuses de violettes, 1926

  • Öl auf Leinwand
  • 71.5 x 90.5 cm
  • signiert unten rechts: "C. Terechkovitch"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 91.88x
  • © 2006, ProLitteris, Zürich
  • Jahr von: 1,926
  • Jahr bis: 1,926
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Seit seiner ersten Begegnung mit Werken von Manet, Matisse, Monet und van Gogh bei einem russischen Privatsammler in Moskau steht der Wunsch des jungen Kostia Terechkovitch fest, Maler zu werden. 1920 in Paris angekommen, schliesst er sich der grossen Gruppe dort lebender russischer Künstler an. Er wohnt in Montparnasse, malt an der Académie de la Grande-Chaumière und im bekannten Atelier La Ruche und schliesst Freundschaft mit Pinchus Krémègne, Mikhail Larionov und Chaim Soutine. Wie diese zählt auch Terechkovitch zur so genannten "Ecole de Paris", einer losen Gruppierung ausländischer Künstler in Paris, deren Schaffen sich im Spannungsfeld zwischen moderner französischer Kunst und Rückgriffen auf eigene kulturelle Traditionen bewegt.

Terechkovitch konzentriert sich in seinem Schaffen auf die Sujets Landschaft und Porträt, wobei das Gemälde "Lavendelernte" aus dem Jahr 1926 als eines seiner Hauptwerke gelten kann. Deutlich zeigen sich hier die Einflüsse französischer Vorbilder. Die Komposition ist ebenso klar wie bewegt: Von einem zentral ins Bild gesetzten Baumstamm aus gehen gebogene Linien – in Form von Erntefrauen, in Reihen gesetzten Lavendelpflanzen, Ästen und Hügelkuppen – wie Strahlen aus beziehungsweise führen auf ihn zu. Strudelartig erscheint die Szene damit in permanente Bewegung versetzt. Diese Dynamik wird von den kreisrunden Strohhüten der Arbeiterinnen und den sichtbaren Pinselschwüngen noch unterstrichen. Orientiert sich Terechkovitch im bewegten Bildaufbau vor allem an van Goghs dynamisierten Landschaften, so knüpft er farblich an die leuchtende Palette der Fauves an. Die drei reinen Farben Rot, Blau und Gelb tragen die Komposition, ihr unvermitteltes Nebeneinander lässt die Töne besonders strahlend wirken und erweckt den Eindruck eines hellen, sonnigen Sommertages.

Die so auffälligen Strohhüte der Erntefrauen halten den Blick im Vordergrund fest. Eher im Verborgenen scheint sich damit eine Szene im Bildhintergrund abzuspielen: Eine junge Frau, die sich, ohne Strohhut und Schürze, deutlich von den Arbeiterinnen unterscheidet, läuft von der linken Bildhälfte auf einen Mann in der rechten Hälfte zu. Dieser blickt auf die Arbeiterinnen hinab, die er offenbar überwacht; Kleidung und Blick charakterisieren ihn als Gutsbesitzer. Zwischen den beiden Personen deutet sich ein amouröses Abenteuer an, bleibt aber im Vagen.

In seiner Lavendelernte beweist Terechkovitch einen souveränen Umgang mit seinen französischen Vorbildern; aus verschiedenen Einflüssen erarbeitet er ein eigenständiges und ebenso eindrückliches wie subtiles Werk.

Janine Moroni