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Selbstbildnis mit Atelierhaube
  • Johann Melchior Wyrsch
  • Selbstbildnis mit Atelierhaube, um 1779

  • Öl auf Leinwand
  • 56.5 x 44.5 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 92x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'779
  • Jahr bis: 1'779
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Beim so genannten „Selbstbildnis mit Atelierhaube“ handelt es sich wohl um Wyrschs berühmteste Eigeninterpretation. Der Künstler zeigt sich hier in einem Brustbild, den Körper nach rechts ins Dreiviertelprofil gerückt, den Kopf jedoch in die entgegen gesetzte Richtung dem Betrachter frontal zugewandt. Ruhig und bestimmt blickt der Dargestellte aus dem Bild heraus, deutlich ist das Schielen seines rechten Auges – auch in anderen Selbstbildnissen hält Wyrsch sein Gebrechen fest – zu erkennen. Er trägt einen dunklen Rock, einen über die Schulter gelegten Schal und ein offenes Hemd, das von einer Brustkrause teilweise verdeckt wird. Auf seinem Kopf trägt er eine riesige Haube, die mit ihrem Schlagschatten sein krankes Auge vor dem grellen Lichteinfall, der das Gesicht durch einen starken Hell-Dunkel-Kontrast modelliert, schützt.

Wyrsch nimmt in seinem Selbstbildnis den Typus des Künstlers mit offenem Hemd auf, den er auch bei anderen Künstlerbildnissen angewandt hat. Das offene Hemd gehört wie auch die Atelierhaube seit Jan van Eyck zur Tradition dieser Gattung. Wyrsch befragt sich in diesem Bildnis demnach nicht so sehr als Mensch, wie er dies beim anderen im Kunstmuseum Luzern befindlichen Selbstbildnis (Inv.-Nr. 65x) tut; vielmehr stellt er sich in seiner Rolle als Künstler dar. Dies mag unter anderem eine Erklärung dafür sein, dass das „Selbstbildnis mit Atelierhaube“ nicht nur von Wyrsch selbst, sondern auch von zahlreichen seiner Schüler kopiert wurde (zum Beispiel von Joseph-Marcellin Combette, Kopie nach Wyrsch, Stans, Nidwaldner Museum). Der Künstler war in den Jahren um 1779, in die das Bildnis datiert wird, als Professor an der „Ecole de peinture“ in Besançon tätig. Die zahlreich erhaltenen Schülerkopien könnten demnach auch Resultat einer Prüfungsaufgabe sein. Das Bildnis mag jedoch als Vorlage nicht nur der Erlernung der Malkunst, sondern auch der Auseinandersetzung mit dem eigenen Künstlerberuf gedient haben.

Beim „Selbstbildnis mit Atelierhaube“, welches sich in der Sammlung des Kunstmuseums Luzern befindet, handelt es sich um eine eigenhändige Replik nach dem Original, welches sich heute im Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie in Besançon befindet.

Barbara von Flüe